Börsenlexikon
Nachhaltig investieren ist die Strategie, Kapital in Wertpapiere und Unternehmen zu lenken, deren Geschäftstätigkeit ökologische und soziale Standards erfüllt oder deren Governance-Strukturen transparenten Kriterien genügen (ESG-Kriterien: Environmental, Social, Governance).
Der Anleger wählt dabei nicht allein nach Renditeerwartungen, sondern berücksichtigt zusätzlich, welche Auswirkungen seine Geldanlage auf Umwelt, Arbeitsbedingungen, Menschenrechte oder Unternehmensführung hat. Ein nachhaltiges Anlageportfolio kann beispielsweise Unternehmen ausschließen, die fossile Brennstoffe fördern, Kinderarbeit dulden oder unzureichende Vorstandskontrolle aufweisen. Gleichzeitig kann es Unternehmen bevorzugen, die erneuerbare Energien entwickeln, faire Löhne zahlen oder diverse Führungsteams haben.
Die Umsetzung erfolgt über verschiedene Kanäle. Privatanleger können in spezialisierte Fonds investieren, deren Fondsmanager bereits eine ESG-Auswahl getroffen haben. Alternativ können sie einzelne Aktien oder Anleihen direkt auswählen und dabei Nachhaltigkeitsberichte sowie ESG-Ratings von Ratingagenturen konsultieren. Viele Banken bieten zudem automatisierte Anlageportfolios an, die Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen.
Ein praktisches Beispiel: Ein Anleger mit 50.000 Euro möchte nachhaltig investieren. Er könnte 30.000 Euro in einen Fonds mit ESG-Fokus einzahlen, der Unternehmen aus erneuerbaren Energien und nachhaltiger Landwirtschaft hält, und 20.000 Euro in grüne Anleihen investieren, die Klimaprojekte finanzieren. Die erwartete Rendite hängt wie bei konventionellen Anlagen von Marktentwicklung und Unternehmensperformance ab – nicht automatisch von der Nachhaltigkeitsorientierung.
Die Relevanz für Privatanleger liegt darin, dass Nachhaltigkeitsrisiken zunehmend auch finanzielle Risiken sind. Unternehmen mit schlechten Umweltstandards können durch Regulierung oder Markttrends unter Druck geraten. Gleichzeitig ermöglicht nachhaltig investieren es Anlegern, ihre persönlichen Werte in ihre Geldanlage zu integrieren.
Verwandte Begriffe sind Impact Investing, das gezielt messbare positive Auswirkungen anstrebt, ESG-Rating, das die Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens bewertet, und Divestment, das bewusste Abzug von Kapital aus nicht-nachhaltigen Sektoren oder Unternehmen.

