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Börsenlexikon

LIBOR ist der Durchschnittssatz, zu dem sich große internationale Banken untereinander kurzfristige Kredite in verschiedenen Währungen leihen, und dient als Referenzzinssatz für Millionen von Finanzprodukten weltweit.

Der LIBOR (London Interbank Offered Rate) wird täglich für mehrere Währungen und unterschiedliche Laufzeiten berechnet. Dabei melden große Geschäftsbanken den Sätzen, zu denen sie bereit sind, anderen Banken Geld zu leihen – etwa für eine Woche, einen Monat oder sechs Monate. Nach Ausschluss der höchsten und niedrigsten Meldungen wird aus den verbleibenden Werten der Durchschnitt gebildet. Dieser Satz wird anschließend veröffentlicht und dient als Benchmark für Tausende von Kreditverträgen, Hypotheken, Anleihen und Derivaten.

Für Privatanleger ist der LIBOR relevant, weil er die Grundlage vieler variabel verzinster Produkte bildet. Ein Kreditnehmer könnte beispielsweise einen Zinssatz erhalten, der sich als „LIBOR plus 2 Prozent" gestaltet. Steigt der LIBOR, steigen damit auch die Kreditkosten. Umgekehrt profitieren Sparer mit variabel verzinsten Anleihen oder Geldmarktfonds bei steigendem LIBOR von höheren Erträgen.

Ein Rechenbeispiel verdeutlicht die Auswirkung: Ein Investor hält eine Floating-Rate-Note mit einem Nennwert von 100.000 Euro, deren Zinssatz sich als „LIBOR plus 1,5 Prozent" berechnet. Liegt der LIBOR in diesem Quartal bei 3 Prozent, beträgt die Verzinsung 4,5 Prozent und die Zinszahlung 1.125 Euro pro Quartal. Steigt der LIBOR im nächsten Quartal auf 4 Prozent, erhöht sich die Verzinsung auf 5,5 Prozent und die Zinszahlung auf 1.375 Euro pro Quartal – eine Differenz von 250 Euro.

Der LIBOR wurde lange Zeit von der British Bankers' Association verwaltet, geriet aber in die Kritik, da einzelne Banken bei ihren Meldungen manipuliert haben sollen. Daraufhin erfolgte eine Reformierung der Governance-Strukturen. Parallel dazu arbeitet die Finanzbranche an einer Umstellung auf alternative Referenzsätze wie den SOFR (Secured Overnight Financing Rate) oder den SONIA (Sterling Overnight Index Average), die auf tatsächlichen Transaktionsdaten beruhen statt auf Bankenmeldungen.

Verwandte Begriffe sind der Euribor, der ähnlich für den Euroraum funktioniert, der Repo-Satz, der die Kosten für kurzfristige besicherte Kreditvergabe abbildet, und der Spread, der die Differenz zwischen dem LIBOR und dem tatsächlichen Kreditangebot eines Kreditgebers angibt.