Börsenlexikon
Innenfinanzierung ist die Finanzierung von Investitionen und Geschäftstätigkeit eines Unternehmens aus eigenen Mitteln, insbesondere aus einbehaltenen Gewinnen, Abschreibungen und dem Verkauf von Vermögensgegenständen.
Bei der Innenfinanzierung nutzt ein Unternehmen Kapital, das bereits im Betrieb vorhanden ist oder dort erwirtschaftet wurde. Die häufigste Form ist die Gewinnthesaurierung: Das Unternehmen zahlt Gewinne nicht als Dividende an Aktionäre aus, sondern reinvestiert sie. Ein Konzern, der in einem Geschäftsjahr 100 Millionen Euro Gewinn macht und davon 60 Millionen Euro einbehält, finanziert Expansion, Maschinen oder Forschung aus diesen 60 Millionen Euro – ohne neue Schulden aufzunehmen oder Aktien auszugeben.
Ein zweiter Kanal ist die Abschreibungsfinanzierung. Wenn ein Unternehmen Maschinen oder Gebäude abschreibt, entsteht eine Kapitalfreisetzung: Der Gewinn wird zwar reduziert, aber tatsächlich floss das Geld bereits beim Kauf ab. Die Abschreibung ist nur eine buchhalterische Größe. Das Unternehmen kann diese Mittel für neue Investitionen verwenden.
Auch der Verkauf von Vermögensgegenständen – etwa einer Beteiligung oder eines Grundstücks – zählt zur Innenfinanzierung.
Für Privatanleger ist Innenfinanzierung relevant, weil sie Aufschluss über die Kapitalstrategie eines Unternehmens gibt. Unternehmen, die stark aus Gewinnen finanzieren, müssen weniger Fremdkapital aufnehmen und haben damit niedrigere Zinslasten. Das kann die Rentabilität erhöhen. Allerdings führt Gewinnthesaurierung oft zu geringeren oder ausbleibenden Dividenden – Anleger erhalten also weniger Ausschüttungen, profitieren dafür aber potenziell von Kurssteigerungen, wenn die Reinvestitionen erfolgreich sind.
Unternehmen mit sehr hoher Innenfinanzierung haben zudem eine stabilere Bilanz, da weniger externe Schulden anfallen. Das reduziert das Insolvenzrisiko. Allerdings kann zu viel Innenfinanzierung auch ein Zeichen sein, dass das Management zu konservativ agiert oder keine rentablen Investitionsmöglichkeiten findet.
Innenfinanzierung steht in direktem Gegensatz zur Außenfinanzierung, bei der Unternehmen Kapital durch Kreditaufnahme, Anleiheemission oder Aktienemission beschaffen. Eng verwandt ist auch das Konzept der Eigenkapitalquote, die misst, wie viel des Vermögens durch Eigenkapital finanziert ist – ein hoher Wert deutet auf starke Innenfinanzierungskraft hin. Der Begriff der Kapitalstruktur beschreibt die Gesamtmischung aus Eigen- und Fremdkapital, in die Innenfinanzierungsentscheidungen direkt einfließen.

