Börsenlexikon
Ein Floor ist eine Vereinbarung zwischen zwei Parteien, wonach der Inhaber des Floors das Recht erhält, bei Unterschreitung eines vorher festgelegten Zinssatzes die Differenz vom Verkäufer des Floors erstattet zu bekommen.
Der Floor funktioniert wie eine Versicherung gegen fallende Zinssätze. Der Käufer zahlt eine Prämie (Floor-Prämie) an den Verkäufer und erhält im Gegenzug Schutz: Sinkt der Referenzzinssatz unter die vereinbarte Floor-Rate, gleicht der Verkäufer die Differenz aus. Bleibt der Zinssatz oberhalb des Floors, verfällt das Recht und die Prämie ist verloren.
Für Privatanleger ist der Floor vor allem im Kontext von Kreditfinanzierung relevant. Ein Kreditnehmer mit einem variabel verzinsten Darlehen kann durch den Kauf eines Floors sein Zinsrisiko begrenzen. Steigen die Marktzinsen, profitiert der Kreditnehmer von niedrigeren Zinsen – der Floor hat keinen Nutzen. Fallen die Zinsen hingegen drastisch, schützt der Floor vor übermäßig niedrigen Zinszahlungen, die die Rentabilität von Sparanlagen oder Anleihen-Portfolios gefährden könnten.
Ein Rechenbeispiel verdeutlicht die Funktionsweise: Ein Kreditnehmer hat einen Kredit mit variablem Zinssatz, der sich monatlich an den 3-Monats-Euribor anpasst. Der aktuelle Euribor liegt bei 4 Prozent. Der Kreditnehmer kauft einen Floor mit einer Floor-Rate von 2 Prozent und zahlt dafür eine einmalige Prämie von beispielsweise 500 Euro. Fällt der Euribor in den nächsten Monaten auf 1 Prozent, erhält der Kreditnehmer vom Floor-Verkäufer 1 Prozent (die Differenz zwischen 2 Prozent Floor und 1 Prozent Marktrate) für die vereinbarte Nominalsumme erstattet – beispielsweise rund 167 Euro monatlich bei einer Nominalsumme von 200.000 Euro. Steigt der Euribor dagegen auf 5 Prozent, verfällt der Floor ungenutzt.
Der Floor gehört zur Familie der Zinsderivate und wird häufig in Kombination mit anderen Instrumenten eingesetzt. Ein Cap funktioniert umgekehrt und schützt vor steigenden Zinsen. Eine Collar-Strategie verbindet Floor und Cap, um Kosten zu senken: Der Investor kauft einen Floor und verkauft gleichzeitig einen Cap, wodurch sich die Prämien teilweise aufrechnen. Ein Collar mit Zinssatz-Swaption bietet zusätzliche Flexibilität beim Ausstieg aus der Absicherung.
Privatanleger sollten beachten, dass Floors Kosten verursachen und nur sinnvoll sind, wenn das Risiko eines Zinsrückgangs tatsächlich besteht und erhebliche negative Folgen hätte. Die Prämie ist eine Versicherungsgebühr – wer den Floor nicht nutzt, verliert diesen Betrag.

