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Börsenlexikon

Eigenhandel ist die Geschäftstätigkeit von Banken und Wertpapierhandelsunternehmen, bei der diese mit eigenen Mitteln und auf eigene Rechnung Wertpapiere, Devisen oder andere Finanzinstrumente kaufen und verkaufen, statt nur als Vermittler für Kundenaufträge zu agieren.

Beim Eigenhandel tritt das Finanzinstitut als Marktakteur selbst auf. Die Bank nimmt dabei das Risiko der Preisveränderung auf sich und zielt auf Gewinnrealisierung ab — etwa durch den Ankauf von Wertpapieren, die sie später zu einem höheren Preis verkauft, oder durch Arbitrage zwischen verschiedenen Märkten. Dadurch unterscheidet sich der Eigenhandel grundlegend vom Kommissionsgeschäft, bei dem ein Institut nur als Zwischenhändler fungiert und eine Gebühr erhält, ohne selbst das Preisrisiko zu tragen.

Für Privatanleger ist Eigenhandel in mehreren Aspekten relevant. Erstens können die Handelsaktivitäten von Banken im Eigenhandel die Liquidität und Preisbildung an Märkten beeinflussen. Zweitens entstehen durch Eigenhandel potenzielle Interessenskonflikte: Eine Bank könnte beispielsweise Kundenaufträge so ausführen, dass sie ihren eigenen Handelsposition nutzt, oder Informationen aus Kundenaufträgen für eigene Transaktionen verwenden. Aus diesem Grund unterliegt der Eigenhandel in vielen Ländern strengen regulatorischen Anforderungen und Beschränkungen.

Ein Beispiel: Ein Wertpapierhaus kauft im Eigenhandel 100.000 Aktien eines Unternehmens zu 50 Euro pro Stück, investiert also 5 Millionen Euro. Steigt der Aktienkurs auf 55 Euro, kann das Haus die Position mit einem Gewinn von 500.000 Euro verkaufen. Fällt der Kurs hingegen auf 45 Euro, erleidet das Haus einen Verlust von 500.000 Euro — dieses Risiko trägt es selbst.

Die Regulierung des Eigenhandels wurde nach der Finanzkrise 2008 verschärft. In vielen Ländern gibt es Regeln, die bestimmte Formen des Eigenhandels begrenzen oder verbieten, um systemische Risiken zu reduzieren und Interessenskonflikte zu minimieren.

Verwandte Begriffe sind der Market Making, bei dem Institute kontinuierlich Geld- und Briefkurse stellen und damit Liquidität bereitstellen, das Proprietary Trading, das spekulativen Eigenhandel mit komplexen Strategien bezeichnet, und der Spread, der Gewinn aus der Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis.