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Börsenlexikon

Costs of Carry sind die Gesamtkosten, die entstehen, wenn ein Anleger einen Vermögenswert über einen Zeitraum hinweg hält, einschließlich Finanzierungskosten, Lagerungskosten und Versicherung, abzüglich anfallender Erträge wie Dividenden oder Zinsen.

Die Costs of Carry spielen vor allem bei Futures und anderen Derivaten eine zentrale Rolle. Sie erklären, warum der Futures-Preis eines Vermögenswerts vom heutigen Kassakurs abweicht. Ein Anleger, der eine Aktie heute kauft und drei Monate halten möchte, trägt Kosten – etwa Finanzierungszinsen für die Kreditaufnahme oder Opportunitätskosten gebundenen Kapitals. Diese Kosten müssen sich in einer höheren Futures-Notierung widerspiegeln, sonst entstünde eine risikolose Arbitrage-Gelegenheit.

Praktisches Rechenbeispiel:

Ein Privatanleger erwägt, Gold für sechs Monate zu halten. Der aktuelle Kassakurs beträgt 2.000 Euro pro Unze. Die Finanzierungskosten betragen 3 Prozent pro Jahr, die Lagerung und Versicherung zusammen 0,5 Prozent pro Jahr. Die Gesamtkosten für sechs Monate liegen bei (3 % + 0,5 %) × 0,5 = 1,75 % oder etwa 35 Euro. Der theoretische Futures-Preis sollte daher mindestens bei 2.035 Euro liegen. Liegt der Futures-Preis darunter, könnte ein Arbitrageur das Gold am Kassamarkt kaufen und am Futures-Markt verkaufen – ein risikofreier Gewinn aus der Preisdifferenz.

Warum ist das für Privatanleger relevant?

Costs of Carry erklären, warum Futures nicht identisch mit dem zugrunde liegenden Vermögenswert gehandelt werden. Anleger, die mit Futures spekulieren oder absichern, sollten verstehen, dass die Prämie oder der Abschlag gegenüber dem Kassakurs nicht nur Markterwartungen widerspiegelt, sondern auch objektive Haltekosten enthält. Bei Rohstoffen mit hohen Lagerungskosten fällt dieser Effekt besonders deutlich aus.

Besonders bei Rohstoff-Futures kann die Carry-Struktur invertieren: Wenn physische Bestände knapp sind, zahlen Käufer einen Aufschlag für sofortige Lieferung (Backwardation). Dies ist das Gegenteil der normalen Situation (Contango), in der zukünftige Preise höher liegen als aktuelle.

Verwandte Konzepte sind die Basis (Differenz zwischen Futures- und Kassakurs), der Roll-Effekt (Gewinn oder Verlust beim Wechsel von einem Futures-Kontrakt zum nächsten) und die Convenience Yield (der Vorteil, physisch über einen Vermögenswert zu verfügen, statt auf den Futures-Kontrakt zu warten).