Börsenlexikon
Chartanalyse ist die Untersuchung historischer Kurs- und Handelsvolumendaten, um künftige Kursbewegungen von Wertpapieren vorherzusagen und Kauf- oder Verkaufssignale abzuleiten.
Die Chartanalyse arbeitet mit grafischen Darstellungen von Kursentwicklungen über verschiedene Zeiträume. Ein Anleger betrachtet beispielsweise die täglichen oder wöchentlichen Schlusskurse einer Aktie über mehrere Monate oder Jahre und sucht nach wiederkehrenden Mustern, Trends und Unterstützungs- oder Widerstandsniveaus. Das Grundprinzip beruht auf der Annahme, dass sich historische Kursmuster wiederholen und dass Marktteilnehmer ähnlich auf vergleichbare Situationen reagieren.
Typische Analyseinstrumente sind gleitende Durchschnitte, die den durchschnittlichen Kurs über einen definierten Zeitraum abbilden, sowie Trendlinien, die Höchst- und Tiefpunkte verbinden. Ein Anleger könnte beispielsweise beobachten, dass eine Aktie bei 45 Euro mehrfach nach oben abprallte – dieses Niveau wird als Unterstützung bezeichnet. Bricht der Kurs dagegen nach oben aus und überschreitet 55 Euro mehrfach, gilt 55 Euro als Widerstand. Durchbricht der Kurs diese Niveaus, kann das als Signal für eine Trendwende oder Trendverstärkung interpretiert werden.
Die Chartanalyse unterscheidet sich grundlegend von der Fundamentalanalyse, die Geschäftsberichte, Gewinne und Branchentrends untersucht. Während Fundamentalanleger den inneren Wert eines Unternehmens bewerten, konzentrieren sich Charttechniker rein auf Kurshistorien und Marktpsychologie.
Für Privatanleger bietet die Chartanalyse mehrere Vorteile: Sie benötigt keine Finanzkenntnisse für die Bilanzinterpretation und kann auf alle handelbaren Instrumente angewendet werden – Aktien, Fonds, Rohstoffe oder Währungspaare. Sie unterstützt auch bei der Festlegung von Einstiegs- und Ausstiegspunkten sowie dem Risikomanagement durch klare Haltepunkte.
Allerdings hat die Chartanalyse Grenzen. Historische Muster garantieren keine zukünftigen Ergebnisse, und Kurssprünge durch Nachrichten oder Marktschocks lassen sich nicht aus Charts vorhersagen. Viele Studien zeigen, dass die Vorhersagekraft begrenzt ist und dass Zufallsergebnisse nicht systematisch ausgeschlossen werden können.
Verwandte Konzepte sind die Technische Analyse, ein übergeordneter Begriff, der neben Charts auch Indikatoren wie den RSI (Relative Strength Index) umfasst, die Kerzenchartanalyse, die spezifische Charttypen mit Eröffnungs-, Schluss-, Höchst- und Tiefstkursen nutzt, und die Widerstandsanalyse, die psychologische Preispunkte identifiziert, bei denen Käufer oder Verkäufer verstärkt reagieren.

