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Börsenlexikon

Ein Börsenzyklus ist die wiederkehrende Abfolge von Phasen steigender und fallender Kurse an den Wertpapiermärkten, die durch wirtschaftliche, psychologische und fundamentale Faktoren angetrieben wird.

Börsenzyklus beschreibt das Muster, in dem Aktienkurse und andere Wertpapiere über längere Zeiträume schwanken. Diese Bewegungen folgen typischerweise vier Phasen: einer Akkumulationsphase mit stabilen oder leicht steigenden Kursen nach einem Tief, einer Wachstumsphase mit kräftigen Kursgewinnen, einer Distributionsphase mit Kursstagnation auf hohem Niveau und schließlich einer Bärphase mit fallenden Kursen bis zum nächsten Tief. Die Länge dieser Phasen ist nicht konstant und kann von wenigen Monaten bis zu mehreren Jahren reichen.

Diese Zyklen entstehen durch das Zusammenspiel von Unternehmensgewinnen, Zinssätzen, Inflation und Anlegerpsychologie. Wenn die Wirtschaft wächst und Unternehmensgewinne steigen, werden Aktien attraktiver und die Kurse folgen nach oben. Sobald Gewinne stagnieren, Zinsen erhöht werden oder negative Nachrichten dominieren, dreht die Stimmung und es folgt eine Korrektur. Diese psychologischen Umschläge zwischen Optimismus und Pessimismus verstärken die Kursbewegungen zusätzlich zu den wirtschaftlichen Fundamentaldaten.

Für Privatanleger ist das Verständnis von Börsenzyklus relevant, um unrealistische Erwartungen zu vermeiden. Ein Anleger, der 10.000 Euro in einen breit gestreuten Aktienfonds anlegt, muss damit rechnen, dass dieser Wert über mehrere Jahre hinweg um 20 bis 30 Prozent fallen kann, bevor er wieder ansteigt. Wer diesen Zyklus nicht kennt, verkauft in Panik beim nächsten Tief und realisiert Verluste, statt sie auszusitzen.

Professionelle Anleger versuchen, Zyklen zu antizipieren, um in Akkumulationsphasen zu kaufen und in Distributionsphasen zu verkaufen. Privatanleger mit langem Anlagehorizont profitieren hingegen oft mehr von regelmäßigen Sparplaneinzahlungen über alle Phasen hinweg, da sie automatisch mehr Anteile bei niedrigen Kursen kaufen (sogenannter Cost-Averaging-Effekt).

Der Börsenzyklus steht in enger Verbindung mit dem Konjunkturzyklus, der die Phasen wirtschaftlichen Wachstums und Schrumpfung beschreibt. Auch die Begriffe Hausse (Aufwärtstrend) und Baisse (Abwärtstrend) bezeichnen einzelne Phasen innerhalb dieser größeren Zyklen. Das Konzept der Marktvolatilität beschreibt die Intensität dieser Schwankungen.