Börsenlexikon
Eine Widerstandslinie ist ein Kursniveau, bei dem ein Wertpapier in der Vergangenheit wiederholt angestiegen ist und danach gefallen ist, was darauf hindeutet, dass Verkaufsdruck dieses Niveau bremst.
Das Konzept beruht auf der Beobachtung von Kursbewegungen: Wenn der Preis eines Wertpapiers mehrfach ein bestimmtes Niveau erreicht, dann fällt, entsteht die Erwartung, dass dieser Punkt erneut als Verkaufssignal wirkt. Anleger, die bei früheren Hochpunkten gekauft haben, verkaufen oft, sobald der Kurs wieder dieses Niveau erreicht — um Verluste zu begrenzen oder Gewinne mitzunehmen. Gleichzeitig werden neue Käufer von der Vorstellung abgehalten, dass der Kurs dort wieder abprallen könnte. Diese Kombination aus Verkaufsdruck und Kaufzurückhaltung kann das Wertpapier tatsächlich bremsen.
Praktisch zeigt sich eine Widerstandslinie im Kurschart als eine horizontale oder leicht geneigte Linie, die mehrere Hochpunkte verbindet. Je öfter ein Kurs dieses Niveau berührt, ohne es nachhaltig zu durchbrechen, desto stärker gilt die Widerstandslinie als etabliert. Durchbricht der Kurs die Widerstandslinie deutlich und nachhaltig nach oben, spricht man von einem Ausbruch — ein Signal, das viele technisch orientierte Anleger als Kaufgelegenheit interpretieren.
Beispiel: Ein Aktienindex notiert bei 6.000 Punkten und fällt. Einige Monate später steigt er wieder bis 6.000, fällt dann erneut. Dieses Muster wiederholt sich mehrfach. Die 6.000-Punkte-Marke wird zur Widerstandslinie. Solange der Index dieses Niveau nicht nachhaltig überschreitet — etwa mit einem Schlusskurs von 6.050 Punkten oder höher — gilt die Widerstandslinie als aktiv. Überschreitet der Index die Marke hingegen klar und bleibt darüber, kann dies auf eine Trendumkehr deuten.
Widerstandslinien sind ein Werkzeug der technischen Analyse. Sie funktionieren nur, wenn genug Marktteilnehmer an dieses Konzept glauben und danach handeln. Fundamentale Nachrichten oder Marktveränderungen können eine Widerstandslinie jederzeit durchbrechen. Privatanleger sollten Widerstandslinien nicht isoliert nutzen, sondern sie als ein Element unter mehreren in der Entscheidungsfindung betrachten.
Verwandte Konzepte sind die Unterstützungslinie, ein Kursniveau, bei dem Käufer wiederholt eingegriffen haben und Kursfälle gebremst wurden, sowie der Ausbruch, der Durchbruch einer Widerstands- oder Unterstützungslinie mit erhöhtem Handelsvolumen. Auch das Konzept der Trendlinie nutzt ähnliche Logik, verbindet aber mehrere Punkte zu einer geneigten Linie.

