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Börsenlexikon

Ein Turnaround ist die Umkehr einer negativen Geschäftsentwicklung eines Unternehmens, bei der es nach anhaltenden Verlusten oder sinkenden Umsätzen wieder zu Rentabilität und Wachstum zurückkehrt.

Der Begriff bezeichnet sowohl den Prozess der Sanierung als auch die Phase, in der ein Unternehmen seine Probleme systematisch behebt. Ein Turnaround entsteht typischerweise, wenn ein Unternehmen unter Druck gerät: Marktanteile gehen verloren, Kostenstrukturen sind zu hoch, Produkte sind veraltet oder das Management hat strategische Fehler begangen. Die Geschäftstätigkeit wird dann grundlegend reorganisiert – durch Kosteneinsparungen, Umstrukturierung, Verkauf von Unternehmensteilen, Wechsel der Geschäftsführung oder Neuausrichtung der Produktpalette.

Für Privatanleger ist das Turnaround-Konzept relevant, weil es Chancen und Risiken gleichermaßen birgt. Ein erfolgreiches Turnaround kann zu erheblichen Kurssteigerungen führen: Wenn ein Unternehmen beispielsweise mit Jahresverlusten von 50 Millionen Euro kämpft und durch Restrukturierung wieder zu Gewinnen von 30 Millionen Euro pro Jahr findet, kann dies die Bewertung deutlich verbessern und Investoren anziehen, die vorher gemieden haben. Gleichzeitig ist das Risiko erheblich – viele Turnarounds scheitern, und das Unternehmen gerät in Insolvenz.

Anleger, die in Turnaround-Kandidaten investieren, spekulieren darauf, dass das Management die Sanierung erfolgreich umsetzt. Dies erfordert eine genaue Analyse: Sind die Probleme hausgemacht oder marktbedingt? Verfügt das Unternehmen über ausreichend Kapital, um die Umstrukturierung zu finanzieren? Gibt es realistische Chancen auf dem Markt? Ein Unternehmen, das seine Produktlinie erfolgreich modernisiert und dabei Lagerbestände um 40 Prozent abbaut, zeigt konkrete Fortschritte – anders als ein Unternehmen, das nur Stellen abbaut ohne strategische Neuausrichtung.

Turnarounds werden oft mit dem Value Investing verbunden, da Anleger unterbewertete Unternehmen suchen, die Potenzial haben. Verwandte Konzepte sind die Restrukturierung, die den operativen Umbau beschreibt, und die Insolvenz beziehungsweise Sanierung, die extreme Fälle darstellen, in denen das Unternehmen formal in ein Sanierungsverfahren eintritt. Der Distressed Investing-Ansatz konzentriert sich gezielt auf Unternehmen in schwierigen Situationen, die Turnaround-Potenzial haben.