Börsenlexikon
Risikokapital ist Eigenkapital, das Anleger in Unternehmen oder Projekte investieren, bei denen ein hohes Verlustrisiko besteht, weil die finanzielle Stabilität, Rentabilität oder sogar Existenz des Unternehmens ungewiss ist.
Risikokapital unterscheidet sich grundlegend von sicheren Geldanlagen wie Sparkonten oder Staatsanleihen. Der Investor stellt Geld zur Verfügung, ohne eine garantierte Rückzahlung oder feste Verzinsung zu erhalten. Im Gegenzug besteht die Chance auf überproportional hohe Gewinne, wenn sich das Unternehmen erfolgreich entwickelt. Umgekehrt kann das investierte Kapital vollständig verloren gehen, wenn das Projekt scheitert oder das Unternehmen in Konkurs geht.
Typische Formen von Risikokapital sind Investitionen in junge, schnell wachsende Unternehmen (Start-ups), Technologieunternehmen in frühen Phasen oder Unternehmensumstrukturierungen. Auch der Kauf von Aktien junger, noch nicht profitabler Firmen fällt in diese Kategorie. Ein Anleger, der 50.000 Euro in ein Start-up investiert, das ein innovatives Produkt entwickelt, trägt das Risiko, dass dieses Start-up nach zwei Jahren mangels Marktakzeptanz geschlossen wird und die 50.000 Euro verloren sind. Alternativ könnte das Unternehmen erfolgreich werden und der Anleger erhält nach fünf Jahren durch einen Verkauf oder Börsengang das Fünffache seiner Investition zurück.
Für Privatanleger ist Risikokapital nur geeignet, wenn sie finanzielle Rücklagen haben und sich einen Totalverlust leisten können, ohne ihre Lebensplanung zu gefährden. Eine Faustregel besagt, dass Risikokapital maximal einen kleinen Anteil des Gesamtvermögens ausmachen sollte – etwa 5 bis 10 Prozent. Die Entscheidung sollte auf Basis einer persönlichen Risikobereitschaft und eines längeren Anlagehorizonts von mindestens 5 bis 10 Jahren getroffen werden.
Risikokapital ist eng verwandt mit dem Begriff Venture Capital, der speziell Investitionen in vielversprechende junge Unternehmen durch professionelle Investoren beschreibt. Ebenfalls relevant sind Private Equity, das sich auf Investitionen in etablierte, aber oft restrukturierungsbedürftige Unternehmen konzentriert, sowie die Eigenkapitalquote, die angibt, wie hoch der Eigenkapitalanteil eines Unternehmens im Verhältnis zum Gesamtkapital ist – ein Indikator für finanzielle Stabilität und damit für das Risiko einer Investition.

