Börsenlexikon
Ein Reverse Split ist eine Kapitalmaßnahme, bei der ein Unternehmen die Anzahl seiner ausstehenden Aktien reduziert, indem es mehrere bestehende Aktien zu einer neuen Aktie zusammenfasst, während der Gesamtwert des Eigenkapitals unverändert bleibt.
Funktionsweise
Bei einem Reverse Split legt das Unternehmen ein Umwandlungsverhältnis fest – beispielsweise 1:10. Das bedeutet: Jeder Aktionär erhält eine neue Aktie für je zehn alte Aktien, die er hielt. Ein Privatanleger mit 1.000 Aktien à 0,50 Euro Kurs besitzt danach 100 Aktien à 5,00 Euro. Der Gesamtwert bleibt bei 500 Euro, nur die Stückzahl und der Kurs pro Aktie ändern sich proportional.
Gründe für einen Reverse Split
Unternehmen führen Reverse Splits typischerweise durch, wenn der Aktienkurs über längere Zeit sehr niedrig ist. Ein niedriger Kurs kann dazu führen, dass die Aktie von Börsen delisted wird, wenn sie Mindestnotierungsanforderungen nicht erfüllt. Manche institutionelle Anleger meiden Aktien unter bestimmten Preisschwellen. Ein höherer Kurs nach dem Reverse Split soll die Aktie attraktiver wirken lassen und die Notierungsvoraussetzungen erfüllen.
Auswirkungen auf Anleger
Für Privatanleger ist ein Reverse Split zunächst neutral: Der Vermögenswert ändert sich nicht, nur die Darstellung. Allerdings signalisiert ein Reverse Split oft wirtschaftliche Schwierigkeiten des Unternehmens. Häufig fällt der Aktienkurs nach der Maßnahme weiter, da die zugrunde liegenden Geschäftsprobleme nicht gelöst sind. Manche Anleger sehen einen Reverse Split daher als Warnsignal.
Bei Sparplänen oder Fractional Shares (Bruchteilen von Aktien) kann ein Reverse Split zu Besonderheiten führen: Wer 15 alte Aktien bei einem 1:10-Split hielt, bekommt nicht exakt 1,5 neue Aktien, sondern erhält üblicherweise 1 Aktie und einen Barausgleich für die restlichen 0,5 Aktien – oder die Anteile werden aufgerundet beziehungsweise abgerundet.
Verwandte Konzepte
Ein Reverse Split ist das Gegenteil eines Stock Splits (Aktiensplits), bei dem ein Unternehmen jede Aktie in mehrere neue Aktien aufteilt, um den Kurs zu senken. Ebenfalls verwandt sind Kapitalerhöhungen und Kapitalherabsetzungen, die ebenfalls die Aktienanzahl verändern, aber mit anderen wirtschaftlichen Zielen verbunden sind. Manche Anleger verwechseln den Reverse Split auch mit einer Fusionierung von Unternehmen, bei der Aktien ausgetauscht werden.

