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Börsenlexikon

Ein Rating ist eine Bewertung der Kreditwürdigkeit eines Schuldners (Unternehmen, Staat oder Bank), die von spezialisierten Agenturen vergeben wird und das Ausfallrisiko einer Anleihe oder eines Kredits ausdrückt.

Wie Ratings funktionieren

Ratingagenturen wie Moody's, Standard & Poor's und Fitch analysieren die finanzielle Lage, Geschäftsaussichten und Schuldenfähigkeit von Emittenten. Sie ordnen diese einer standardisierten Skala zu, die von sehr sicher bis sehr riskant reicht. Die Skalen beginnen typischerweise mit der besten Kategorie (etwa „AAA") und enden mit Spekulationsklasse (etwa „C"). Ratings zwischen „AAA" und „BBB" gelten als Investment Grade (geringes Risiko), darunter als High Yield oder Junk (höheres Risiko).

Die Agenturen berücksichtigen Faktoren wie Schuldenquoten, Cashflow-Stabilität, Branchensituation, Wettbewerbsposition und bei Staaten auch die politische Stabilität. Ein Rating wird nicht einmalig vergeben, sondern regelmäßig überprüft und kann herabgestuft oder hochgestuft werden.

Relevanz für Privatanleger

Ratings beeinflussen direkt die Rendite einer Anleihe. Ein Unternehmen mit „AAA"-Rating kann sich Geld günstiger leihen als eines mit „BB"-Rating, da die Ausfallwahrscheinlichkeit geringer ist. Privatanleger erhalten über das Rating schnell einen Überblick über das Risiko, ohne alle Jahresberichte selbst analysieren zu müssen. Eine Anleihe mit „BB"-Rating bietet typischerweise höhere Kuponzahlungen als eine mit „A"-Rating – dies ist der Risikoaufschlag.

Beispiel: Zwei Anleihen mit je 10.000 Euro Nennwert und 5 Jahren Laufzeit. Die erste stammt von einem Unternehmen mit „A"-Rating und zahlt 3 Prozent Kupon (300 Euro pro Jahr). Die zweite von einem Unternehmen mit „BB"-Rating zahlt 5 Prozent Kupon (500 Euro pro Jahr). Der Renditeunterschied von 2 Prozent kompensiert das höhere Ausfallrisiko.

Grenzen und Kritik

Ratings sind Meinungen, keine Garantien. Selbst hochbewertete Emittenten können ausfallen. Zudem hinken Ratings manchmal der Realität hinterher – eine Herabstufung erfolgt oft erst, wenn sich die Situation bereits verschlechtert hat.

Privatanleger sollten Ratings als ein Analyseinstrument neben anderen Faktoren wie Liquidität, Diversifikation und persönliche Risikotoleranz betrachten. Verwandte Konzepte sind der Credit Spread (Renditedifferenz zwischen riskanteren und sicheren Anleihen), die Bonitätsprüfung (detaillierte Einzelanalyse) und der Bond Yield (tatsächliche Rendite einer Anleihe am Markt).