Börsenlexikon
Ein Optionsschein ist ein Wertpapier, das seinem Inhaber das Recht (nicht die Pflicht) gibt, einen Basiswert wie eine Aktie, einen Index oder einen Rohstoff zu einem vorher festgelegten Preis innerhalb eines definierten Zeitraums zu kaufen oder zu verkaufen.
Der Optionsschein funktioniert als Derivat: Der Emittent (meist eine Bank) verbrieft darin ein Optionsrecht und verkauft es an Anleger. Es gibt zwei Haupttypen. Ein Call-Optionsschein berechtigt zum Kauf des Basiswerts, ein Put-Optionsschein zum Verkauf. Der Käufer zahlt für dieses Recht eine Prämie – den Kaufpreis des Scheins selbst.
Für Privatanleger ist das Optionsrecht attraktiv, weil es mit kleinerem Kapitaleinsatz an größeren Kursbewegungen partizipieren kann. Steigt beispielsweise eine Aktie von 50 Euro auf 60 Euro (20 Prozent), kann ein Call-Optionsschein auf diese Aktie prozentual stärker im Wert zuwachsen – vorausgesetzt, der Ausübungspreis (auch Basispreis genannt) liegt unterhalb des neuen Aktienkurses. Diesen Hebeleffekt erkauft sich der Anleger aber durch das Risiko des Totalverlusts: Verfällt der Optionsschein wertlos, ist die gezahlte Prämie weg.
Rechenbeispiel: Ein Anleger kauft einen Call-Optionsschein auf eine Aktie mit Basispreis 50 Euro und zahlt 2 Euro Prämie pro Schein (insgesamt 200 Euro für 100 Scheine). Die Aktie steigt auf 56 Euro. Der innere Wert des Scheins beträgt nun mindestens 6 Euro (56 Euro minus 50 Euro Basispreis). Ohne Berücksichtigung von Zeitwert und weiteren Faktoren hätte sich die Prämie verdreifacht, während die Aktie selbst nur um 12 Prozent gestiegen ist.
Die Laufzeit ist ein entscheidendes Merkmal: Sie bestimmt, wie lange das Ausübungsrecht gültig bleibt. Nach Ablauf verfällt der Schein. Während der Laufzeit verliert der Optionsschein an Wert, je näher das Verfallsdatum rückt – dieser Effekt heißt Zeitwertverfall.
Optionsscheine unterscheiden sich von echten Optionen (die an spezialisierten Börsen oder im außerbörslichen Handel gehandelt werden) vor allem dadurch, dass sie standardisierte Wertpapiere sind, die an regulären Börsen notiert und wie Aktien gekauft und verkauft werden. Ähnlich strukturiert sind Turbozertifikate und Knockouts, die ebenfalls gehebelte Positionen ermöglichen, aber mit automatischen Ausstoppungsmechanismen arbeiten. Verwandt ist auch das Konzept der Warrants, die teilweise synonym mit Optionsscheinen verwendet werden.

