Börsenlexikon
Ein Long Straddle ist eine Optionsstrategie, bei der ein Anleger gleichzeitig eine Call-Option und eine Put-Option auf denselben Basiswert mit identischem Ausübungspreis und gleicher Laufzeit kauft.
Der Anleger zahlt für beide Optionen Prämien und hofft auf eine starke Preisbewegung des Basiswerts – unabhängig von deren Richtung. Steigt der Kurs deutlich, gewinnt die Call-Option an Wert. Fällt er stark, profitiert die Put-Option. Die Strategie funktioniert, solange die Kursbewegung größer ist als die Summe der gezahlten Prämien.
Funktionsweise anhand eines Beispiels:
Eine Aktie notiert aktuell bei 100 Euro. Der Anleger kauft eine Call-Option mit Ausübungspreis 100 Euro für eine Prämie von 3 Euro und gleichzeitig eine Put-Option mit demselben Ausübungspreis für 3 Euro. Die Gesamtinvestition beträgt 6 Euro pro Aktie oder 600 Euro pro Kontrakt (bei Standardgröße von 100 Aktien).
Szenario 1 (Kursanstieg): Die Aktie steigt auf 110 Euro. Die Call-Option wird ausgeübt und bringt einen Gewinn von 10 Euro, abzüglich der 6 Euro Prämie = 4 Euro Nettogewinn pro Aktie.
Szenario 2 (Kursfall): Die Aktie fällt auf 90 Euro. Die Put-Option wird ausgeübt und generiert einen Gewinn von 10 Euro, abzüglich der 6 Euro Prämie = 4 Euro Nettogewinn pro Aktie.
Szenario 3 (Seitwärtsbewegung): Die Aktie bleibt bei 100 Euro. Beide Optionen verfallen wertlos, der Anleger verliert die gesamten 6 Euro Prämie.
Relevanz für Privatanleger:
Der Long Straddle eignet sich für Anleger, die mit erhöhter Volatilität rechnen – etwa vor Gewinnmitteilungen, Zentralbankentscheidungen oder anderen Marktevents – aber die Richtung der Bewegung nicht vorhersagen können. Allerdings erfordert die Strategie eine Kursbewegung, die groß genug ist, um beide Prämien zu decken. Je höher die implizite Volatilität zum Kaufzeitpunkt, desto teurer werden die Optionen und desto größer muss die tatsächliche Bewegung ausfallen.
Verwandte Strategien sind der Long Strangle, bei dem Call und Put unterschiedliche Ausübungspreise haben und daher günstiger sind, sowie der Short Straddle, die umgekehrte Position, bei der der Anleger Optionen verkauft und von Kursstabilität profitiert. Auch die Iron Condor nutzt ähnliche Prinzipien mit vier Optionen zur Begrenzung von Risiken.

