Börsenlexikon
Der Lombardsatz ist der Zinssatz, den eine Bank für die Beleihung von Wertpapieren berechnet, wenn ein Anleger diese als Sicherheit hinterlegt, um einen Kredit zu erhalten.
Beim Lombardkredit verpfändet der Anleger seine Wertpapiere bei der Bank. Diese bewertet die Papiere, zieht einen Sicherheitsabschlag (Haircut) ab und gewährt einen Kredit bis zu einem bestimmten Prozentsatz des Wertes. Der Lombardsatz bestimmt, welche Zinsen der Anleger für diesen Kredit zahlt. Im Gegensatz zu einem normalen Bankdarlehen ist die Sicherheit unmittelbar vorhanden – die Wertpapiere selbst.
Der Lombardsatz liegt typischerweise über dem Leitzins, da die Bank ein Risiko trägt: Der Wert der Sicherheiten kann fallen, weshalb sie einen Risikozuschlag verlangt. Für den Anleger ist ein Lombardkredit attraktiv, wenn er kurzfristig Liquidität benötigt, ohne seine Wertpapiere verkaufen zu müssen. Das ist besonders sinnvoll bei temporären Liquiditätsengpässen oder wenn der Anleger von weiteren Kursgewinnen seiner Papiere profitieren möchte.
Rechenbeispiel: Ein Anleger hält Aktien im Wert von 50.000 Euro. Die Bank vergibt einen Lombardkredit bis zu 60 Prozent des Wertes, also maximal 30.000 Euro. Der Lombardsatz liegt bei 5 Prozent pro Jahr. Nimmt der Anleger 20.000 Euro auf, zahlt er im ersten Jahr 1.000 Euro Zinsen (20.000 × 5 %). Die Aktien bleiben im Depot und können weiter an Wert gewinnen oder Dividenden ausschütten.
Für Privatanleger ist das Risiko des Lombardkredits erheblich: Fallen die Wertpapiere im Wert, kann die Bank eine Nachschussaufforderung (Margin Call) stellen. Der Anleger muss dann zusätzliche Sicherheiten hinterlegen oder den Kredit teilweise zurückzahlen, sonst verkauft die Bank Positionen zwangsweise. Dies geschieht oft zu ungünstigen Kursen, wenn der Markt fällt.
Der Lombardsatz unterscheidet sich vom Leitzins, der von der Zentralbank vorgegeben wird, und vom Repo-Satz, bei dem Wertpapiere temporär verkauft und zu einem späteren Zeitpunkt zurückgekauft werden. Auch die Marge (der Sicherheitsabschlag) ist ein verwandtes Konzept – sie bestimmt, wie viel Kredit eine Bank auf ein Wertpapier vergibt.

