Börsenlexikon
Kapitalverwässerung ist die Reduzierung des Anteils- und Stimmrechts bestehender Aktionäre durch die Ausgabe neuer Aktien, ohne dass sich die Gesamtgewinne des Unternehmens proportional erhöhen.
Funktionsweise
Bei einer Kapitalverwässerung erhöht ein Unternehmen die Anzahl seiner Aktien, während die wirtschaftliche Leistung gleich bleibt oder weniger stark wächst. Der Gewinn je Aktie (EPS) sinkt dadurch, obwohl der Gesamtgewinn unverändert sein kann. Ein Anleger, der 1 Prozent der Unternehmensanteile hält, besitzt danach einen kleineren prozentualen Anteil am Unternehmen.
Dies geschieht häufig durch Kapitalerhöhungen, bei denen neue Aktien ausgegeben werden. Das Unternehmen beschafft sich damit Kapital, ohne Schulden aufzunehmen. Auch die Ausgabe von Mitarbeiterbeteiligungsprogrammen oder die Umwandlung von Wandelanleihen in Aktien führt zu Verwässerung.
Auswirkungen auf Anleger
Für Bestandsaktionäre ist Kapitalverwässerung zunächst nachteilig. Angenommen, ein Unternehmen macht einen Jahresgewinn von 100 Millionen Euro und hat 10 Millionen Aktien im Umlauf, beträgt der Gewinn je Aktie 10 Euro. Gibt das Unternehmen 5 Millionen neue Aktien aus und der Gewinn bleibt bei 100 Millionen Euro, sinkt der Gewinn je Aktie auf 6,67 Euro. Der Aktienkurs fällt typischerweise um einen ähnlichen Prozentsatz, sofern nicht die Verwendung des neuen Kapitals zu Gewinnsteigerungen führt.
Allerdings ist Verwässerung nicht automatisch schlecht. Wenn das Unternehmen das neue Kapital gewinnbringend einsetzt – etwa für Expansionen, Forschung oder Übernahmen – kann der Gesamtgewinn wachsen und die Verwässerung überkompensieren. Die Bewertung hängt davon ab, ob die Rendite auf das neue Kapital die Kapitalkosten übersteigt.
Abgrenzung zu verwandten Begriffen
Kapitalverwässerung unterscheidet sich von einer Aktiensplittung, bei der die Anzahl der Aktien erhöht wird, ohne neue Mittel zu beschaffen – hier sinkt nur der Kurs pro Aktie proportional. Eine Kapitalherabsetzung wirkt gegenteilig: Sie reduziert die Aktienzahl und erhöht damit den Anteil je Aktie. Auch die Verwässerung durch Optionsscheine und Wandelanleihen folgt ähnlichen Mechanismen, da diese in Aktien umgewandelt werden können.
Privatanleger sollten bei Kapitalerhöhungen prüfen, wie das Unternehmen die neuen Mittel einsetzt und welche Wachstumschancen damit verbunden sind.

