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Börsenlexikon

Inkasso ist die Einziehung von fälligen Zahlungen durch einen beauftragten Dienstleister, der im Auftrag des Gläubigers Forderungen eintreibt.

Im Börsenkontext bezieht sich Inkasso primär auf die Eintreibung von Dividendenzahlungen und Zinserträgen, die Unternehmen oder Emittenten ihren Anlegern schulden. Wenn ein Aktieninhaber Dividenden erhält oder ein Anleihegläubiger Kuponzahlungen, erfolgt die Auszahlung oft über spezialisierte Inkassostellen oder Clearinghäuser, die als Mittler zwischen dem Emittenten und dem Anleger fungieren.

Ein praktisches Beispiel verdeutlicht den Ablauf: Ein Investor hält eine Unternehmensanleihe mit einem Nennwert von 10.000 Euro und einem jährlichen Kupon von 4 Prozent. Der Emittent ist verpflichtet, jährlich 400 Euro Zinsen zu zahlen. Diese Zahlung wird nicht direkt vom Unternehmen an den Anleger überwiesen, sondern über ein Clearinghaus oder eine Depotbank eingezogen und weitergeleitet. Die Inkassostelle prüft, ob die Zahlung fällig ist, verbucht sie und leitet sie an den Anleger weiter. Sollte der Emittent die Zahlung nicht rechtzeitig leisten, kann das Inkassoverfahren auch Mahnungen oder rechtliche Schritte einleiten.

Für Privatanleger ist das Inkasso relevant, weil es die Sicherheit ihrer Ertragsansprüche gewährleistet. Durch die Zwischenposition eines professionellen Inkassopartners werden Zahlungsausfälle schneller erkannt und dokumentiert. Im Falle einer Insolvenz des Emittenten wird das Inkassoverfahren unterbrochen, und die Forderung wird in den Insolvenzprozess eingeordnet.

Der Begriff wird häufig im Zusammenhang mit Clearing verwendet, das den technischen Abwicklungsprozess von Wertpapiertransaktionen beschreibt. Eng verwandt sind auch die Konzepte der Depotbank, die Wertpapiere verwahrt und Erträge verwaltet, sowie der Zahlstelle, die konkret für die Auszahlung von Dividenden und Zinsen zuständig ist. Das Mahnwesen beschreibt die eskalierenden Schritte bei ausbleibenden Zahlungen.

In der Praxis nehmen sich Privatanleger um Inkasso selten selbst an – ihre Depotbank oder der Broker übernimmt diese Aufgabe automatisiert. Allerdings sollten Anleger bei direkten Wertpapierbeständen oder bei Zahlungsausfällen verstehen, wie das Inkassoverfahren funktioniert, um ihre Rechte wahrnehmen zu können.