Börsenlexikon
Inflationsschutz durch Aktien ist die Strategie, Aktien zu halten, um die Kaufkraft des Vermögens gegen die langfristige Entwertung durch Inflation zu bewahren, da Unternehmensgewinne und Aktienkurse tendenziell mit steigenden Preisen mitwachsen.
Funktionsweise und Hintergrund
Inflation vermindert die reale Kaufkraft von Geldvermögen. Wer 100.000 Euro auf einem Sparkonto hält und die Zinsen unter der Inflationsrate liegen, verliert an Wert. Aktien gelten als Sachanlage, die diesem Prozess entgegenwirkt: Ein Unternehmen besitzt materielle und immaterielle Vermögenswerte. Steigen die Preise in der Wirtschaft, können Unternehmen ihre Produkte teurer verkaufen und ihre Gewinne erhöhen. Diese höheren Gewinne führen langfristig zu steigenden Aktienkursen. Der Aktionär partizipiert damit indirekt an der wirtschaftlichen Wertschöpfung, nicht nur an Nominalzinsen.
Beispiel
Ein Investor kauft Aktien eines Unternehmens für 50.000 Euro. Der Gewinn je Aktie beträgt 5 Euro, das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 20. Im Jahr darauf steigt die Inflation auf 4 Prozent. Das Unternehmen kann seine Preise erhöhen und seinen Gewinn je Aktie auf 5,20 Euro steigern (+ 4 Prozent). Bleibt das Kurs-Gewinn-Verhältnis konstant, steigt auch der Aktienkurs um etwa 4 Prozent auf 52.000 Euro. Der nominale Vermögenszuwachs von 2.000 Euro entspricht ungefähr der Inflationsrate, wodurch die Kaufkraft erhalten bleibt.
Grenzen und Bedingungen
Dieser Schutz funktioniert nicht automatisch. Unternehmen können Preiserhöhungen nicht immer an Kunden weitergeben, etwa wenn Rohstoffkosten überproportional steigen oder der Wettbewerb dies verhindert. Auch Aktienkurse fallen bei wirtschaftlichen Krisen, unabhängig von der Inflation. Der Inflationsschutz entfaltet sich hauptsächlich über längere Zeiträume (mindestens 10 Jahre), nicht kurzfristig.
Besonders wirksam ist die Strategie bei Aktien von Unternehmen mit stabilen Margen, starker Marktposition und Preissetzungsmacht. Auch Dividenden spielen eine Rolle: Viele Unternehmen erhöhen ihre Ausschüttungen mit der Zeit, was ebenfalls inflationsausgleichend wirkt.
Verwandte Konzepte sind die Realrendite (Rendite nach Inflationsabzug), die Sachwertanlage als Gegenpol zu reinen Geldanlagen und die Diversifikation, die das Risiko einzelner Positionen durch Mischung mehrerer Aktien senkt.

