Börsenlexikon
Geldmenge ist die Gesamtheit aller Geldbestände in einer Währungszone, die Zentralbanken und Geschäftsbanken in Umlauf gebracht haben und die von Privatpersonen, Unternehmen und dem Staat gehalten werden.
Die Geldmenge wird von Zentralbanken wie der Europäischen Zentralbank (EZB) in mehreren Kategorien gemessen, die nach Liquidität gestaffelt sind. Die engste Definition (M1) umfasst Bargeld und täglich verfügbare Einlagen auf Girokonten. Die mittlere Definition (M2) addiert hierzu Spareinlagen mit kurzer Kündigungsfrist. Die breiteste Definition (M3) berücksichtigt zusätzlich Geldmarktpapiere und andere kurzfristige Finanzinstrumente. Diese Unterscheidung ist notwendig, weil nicht alle Geldbestände mit gleicher Geschwindigkeit in den Wirtschaftskreislauf zurückfließen.
Für Privatanleger ist die Geldmenge relevant, weil ihre Veränderung Auswirkungen auf Inflation, Zinsen und Vermögenspreise hat. Wenn eine Zentralbank die Geldmenge erheblich ausweitet – etwa durch Anleihekäufe oder Zinssenkungen – sinken typischerweise die Zinsen. Das macht Kredite günstiger, erhöht aber auch die Nachfrage nach Vermögensanlagen wie Aktien und Immobilien. Umgekehrt führt eine Verringerung der Geldmenge zu höheren Zinsen und kann Vermögenspreise unter Druck setzen. Ein Anleger mit einem Portfolio aus Anleihen und Aktien sollte daher die geldpolitischen Maßnahmen der Zentralbank beobachten, da diese die erwarteten Renditen beeinflussen.
Beispiel: Angenommen, die EZB erhöht ihre Leitzinsen von 2 Prozent auf 3 Prozent und signalisiert eine restriktive Geldpolitik. Dies führt dazu, dass Geschäftsbanken weniger Kredite vergeben und die Geldmenge M2 stagniert oder sinkt. Gleichzeitig werden Sparzinsen attraktiver, und neue Unternehmensanleihen werden mit höheren Kupons emittiert, um Investoren anzulocken. Ein Anleger kann dann von gestiegenen Renditen in Rentenpapieren profitieren, muss aber mit fallenden Aktienkursen rechnen.
Die Geldmenge steht in enger Verbindung zu verwandten Konzepten wie der Geldpolitik, die die Steuerungsinstrumente der Zentralbank beschreibt, der Inflation, die durch übermäßige Geldmengenwachstum befeuert werden kann, und der Liquidität, die angibt, wie leicht Vermögenswerte in Geld umgewandelt werden können.

