Börsenlexikon
Ein Gap ist eine Kurssprung zwischen dem Schlusskurs eines Handelstages und dem Eröffnungskurs des folgenden Handelstages, bei dem kein Kurs dazwischen liegt.
Das Phänomen entsteht, wenn der Markt geschlossen ist und sich neue Informationen verbreiten, die das Angebot und die Nachfrage nach einem Wertpapier verändern. Sobald der Handel am nächsten Tag beginnt, wird die Aktie, das Zertifikat oder der Index nicht dort eröffnet, wo er geschlossen hat, sondern springt nach oben oder unten. Im Kurs-Diagramm entstehen dadurch sichtbare Lücken – daher der englische Begriff „Gap" (Lücke).
Praktisches Beispiel: Eine Aktie schließt an einem Freitag bei 100 Euro. Am Wochenende gibt das Unternehmen eine überraschend positive Gewinnmitteilung ab. Der Markt öffnet am Montag, und die erste Order wird bei 108 Euro ausgeführt. Zwischen 100 und 108 Euro wurden keine Kurse gehandelt – es entstand ein Aufwärtsgap von 8 Euro.
Gaps entstehen typischerweise nach Unternehmensankündigungen, Wirtschaftsdaten, geopolitischen Ereignissen oder bei Marktöffnung nach Wochenenden und Feiertagen. Sie können sowohl nach oben (bullisch) als auch nach unten (bearisch) auftreten.
Für Privatanleger sind Gaps aus mehreren Gründen relevant. Erstens können sie zu Verlusten führen, wenn ein Anleger eine Stop-Loss-Order knapp unterhalb des Schlusskurses platziert hat – beim Gap wird die Order zu einem schlechteren Preis ausgeführt oder gar nicht, weil der Kurs die Order überspringt. Zweitens nutzen technische Analysten Gaps als Handelssignal: Ein Aufwärtsgap wird oft als Zeichen von Kaufdruck interpretiert, ein Abwärtsgap als Zeichen von Verkaufsdruck. Drittens können Gaps zu Arbitrage-Chancen führen, wenn verwandte Instrumente unterschiedlich reagieren – etwa wenn ein Einzelwert stark gappt, der Gesamtmarkt aber nicht.
Ein verwandtes Konzept ist die Volatilität, die Schwankungsintensität eines Kurses – Gaps sind oft ein Zeichen erhöhter Volatilität. Auch der Slippage ist eng verbunden: Das ist die Differenz zwischen dem erwarteten Ausführungspreis und dem tatsächlichen Preis bei einer Order. Beim Gap kann Slippage besonders groß ausfallen. Schließlich spielen Limit-Order eine Schutzrolle: Sie verhindern, dass eine Order zu einem Gap-Preis ausgeführt wird, der deutlich vom gewünschten Preis abweicht – die Order wird einfach nicht ausgeführt, wenn das Limit nicht erreicht wird.

