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Börsenlexikon

Gamma ist die Rate, mit der sich das Delta einer Optionsposition bei einer Änderung des Basiswerts um eine Einheit verändert.

Delta misst, um wie viel sich der Optionspreis bei einer Bewegung des Basiswerts um einen Punkt ändert. Gamma beschreibt die Dynamik dieser Messgröße selbst: Es zeigt an, wie empfindlich das Delta auf Kursbewegungen reagiert. Wer Optionen handelt, muss Gamma verstehen, weil es die Geschwindigkeit offenbart, mit der sich die Absicherungserfordernisse einer Position ändern.

Eine Call-Option mit einem Delta von 0,50 bedeutet, dass der Optionspreis um 0,50 Euro steigt, wenn der Basiswert um einen Euro steigt. Wenn diese Option ein Gamma von 0,10 hat und der Basiswert um einen Euro steigt, erhöht sich das Delta auf 0,60. Die Option reagiert also immer stärker auf weitere Kursbewegungen – das Delta wird „gammapositiv". Umgekehrt wird eine fallende Option mit negativem Gamma bei Kurssteigerungen weniger wertvoll, und ihr Delta wird immer negativer.

Für Privatanleger ist Gamma vor allem in zwei Szenarien relevant. Erstens: Wer eine Absicherungsposition durch Optionen aufbaut, muss die Position regelmäßig neu justieren, wenn sich der Basiswert bewegt – genau weil sich das Delta ändert. Dieses Umschichten kostet Transaktionsgebühren und erzeugt Slippage. Hohe Gamma-Werte bedeuten häufigere und teurere Anpassungen. Zweitens: Optionen mit hohem Gamma bieten bei großen Kursbewegungen überproportionale Gewinne, erfordern aber präzisere Timing-Entscheidungen. Optionen nahe am Geld haben typischerweise das höchste Gamma; weit aus dem Geld liegende Optionen haben geringes Gamma.

Rechenbeispiel: Ein Anleger kauft eine Call-Option auf eine Aktie mit aktuellem Kurs von 100 Euro. Die Option hat ein Delta von 0,50 und ein Gamma von 0,05. Steigt die Aktie auf 101 Euro, erhöht sich das Delta auf 0,55 (0,50 + 0,05). Steigt die Aktie weiter auf 102 Euro, erhöht sich das Delta erneut um 0,05, jetzt auf 0,60. Bei jeder weiteren Kurssteigerung beschleunigt sich der Wertzuwachs der Option.

Eng verwandte Konzepte sind das Delta selbst, das die unmittelbare Preissensitivität misst, sowie das Vega, das die Abhängigkeit vom Volatilitätsniveau beschreibt. Auch die Theta, welche den Zeitwertverfall einer Option quantifiziert, spielt bei der Gesamtbetrachtung einer Optionsposition eine Rolle.