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Börsenlexikon

GEX ist ein von Finanzanalysten berechneter Indikator, der das Gamma-Risiko von börsengehandelten Optionen auf einen Aktienindex aggregiert und damit ein Maß für die potenzielle Marktvolatilität in den kommenden Handelstagen darstellt.

Der GEX-Wert misst das Gamma-Exposure des gesamten Optionsmarktes auf einen Index. Gamma beschreibt die Geschwindigkeit, mit der sich das Delta einer Option verändert, wenn sich der Kurs des Basiswerts bewegt. Ein hohes Gamma bedeutet, dass sich das Delta schnell ändert – die Option reagiert also überproportional auf kleine Kursbewegungen des Basiswerts.

Wenn der GEX-Wert deutlich positiv ist, hat der Optionsmarkt insgesamt ein hohes positives Gamma. Das bedeutet, dass Optionshändler und Market Maker bei Kursbewegungen verstärkt nachkaufen müssen, um ihre Positionen abzusichern. Dies kann zu zusätzlicher Volatilität führen. Ein stark negativer GEX deutet darauf hin, dass Optionshändler bei Kursbewegungen eher verkaufen müssen, was ebenfalls die Volatilität verstärken kann. Ein GEX-Wert nahe Null signalisiert dagegen ein ausgewogenes Gamma-Profil.

Für Privatanleger ist der GEX relevant, weil er hilft, das kurzfristige Volatilitätsumfeld einzuschätzen. Ein extrem hoher positiver GEX kann beispielsweise darauf hindeuten, dass der Markt in den nächsten Tagen ruhiger bleiben könnte, weil die Marktmechaniken Kursbewegungen dämpfen. Ein stark negativer GEX kann vor erhöhter Volatilität warnen.

Rechenbeispiel: Angenommen, der GEX auf einen Aktienindex liegt bei +5 Milliarden Dollar. Das bedeutet, dass die Summe aller Gamma-Positionen im Optionsmarkt positiv ist. Wenn der Index um 1 Prozent fällt, müssen Market Maker automatisch nachkaufen, um ihre Delta-neutralen Positionen zu halten. Diese Käufe wirken wie eine Bremse und können den Kursfall abschwächen. Umgekehrt: Bei einem GEX von −3 Milliarden Dollar verstärken automatische Verkäufe der Market Maker die Bewegungen.

Der GEX wird täglich neu berechnet und ist öffentlich verfügbar. Allerdings sollten Anleger ihn nicht isoliert betrachten, sondern zusammen mit anderen Indikatoren wie der impliziten Volatilität (IV), dem Put-Call-Ratio und den offenen Positionen (Open Interest) nutzen.

Verwandte Begriffe sind das Delta, das die Sensitivität einer Option gegenüber Kursbewegungen des Basiswerts misst, sowie die implizite Volatilität, die die Markterwartung künftiger Schwankungen abbildet. Auch das Open Interest – die Gesamtzahl offener, noch nicht glatgestellter Optionskontrakte – liefert wichtige Hinweise auf die Marktstimmung.