Börsenlexikon
Die Easdaq war eine europäische Börse für Wachstumspapiere, die 1996 gegründet wurde und 2001 mit der Nasdaq fusionierte, um Kleinanleger und Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial zusammenzubringen.
Die Easdaq (European Association of Securities Dealers Automated Quotation) entstand als europäisches Pendant zur amerikanischen Nasdaq. Sie war eine elektronische Börse, an der vor allem junge Technologieunternehmen, Start-ups und expandierende Firmen ihre Aktien und anderen Wertpapiere handelten. Im Gegensatz zu etablierten Börsen wie der Frankfurter Börse oder Euronext setzte die Easdaq auf niedrigere Zulassungsanforderungen, um wachstumsstarken Unternehmen einen schnelleren Marktzugang zu ermöglichen.
Für Privatanleger war die Easdaq eine Möglichkeit, in frühe Wachstumsphasen von Unternehmen zu investieren – mit entsprechend höheren Chancen, aber auch erheblichen Risiken. Während etablierte Unternehmen an klassischen Börsen notiert sind, konnten Anleger auf der Easdaq in Firmen mit kürzerer Bilanzgeschichte und volatileren Kursen investieren. Viele dieser Unternehmen waren im Technologie- und Internetsektor tätig.
Die praktische Bedeutung der Easdaq lag in ihrer Funktion als Wachstumsbörse: Ein Softwareunternehmen mit vielversprechenden Produkten, aber noch geringen Gewinnen, konnte dort schneller notiert werden als an traditionellen Börsen, die umfangreiche Rentabilitätsnachweise forderten. Anleger, die 10.000 Euro in solche Papiere investierten, konnten theoretisch von schnellem Kursanstieg profitieren – trugen aber auch das Risiko von Totalverlusten bei Fehlentwicklungen.
Die Easdaq war Teil der Dotcom-Blase der späten 1990er Jahre. Viele dort notierte Unternehmen zeigten sich später als nicht nachhaltig rentabel. Nach dem Platzen dieser Blase Anfang der 2000er Jahre verlor die Easdaq an Bedeutung und fusionierte 2001 mit der Nasdaq-Europe. Heute existiert die Easdaq nicht mehr als eigenständige Börse.
Verwandte Begriffe sind die Neuer Markt, ein deutsches Segment für Wachstumswerte, das ähnliche Ziele verfolgte und ebenfalls mit der Dotcom-Krise zusammenbrach, sowie das AIM (Alternative Investment Market) der Londoner Börse, das bis heute als Segment für kleinere und jüngere Unternehmen funktioniert. Auch der Begriff Wachstumsbörse beschreibt allgemein Börsenplätze mit reduzierten Zulassungsvoraussetzungen.

