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Börsenlexikon

Das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) ist die Gesamtheit der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Zentralbanken aller EU-Mitgliedstaaten, die gemeinsam die Geldpolitik in der Eurozone koordinieren und die Preisstabilität sichern.

Das ESZB wurde mit dem Maastricht-Vertrag gegründet und ist die institutionelle Grundlage für die europäische Geldpolitik. Während die EZB als übergeordnete Institution agiert, behalten die nationalen Zentralbanken (wie die Deutsche Bundesbank oder die Banque de France) ihre Funktionen. Das System funktioniert nach einem föderalen Prinzip: Die EZB setzt die Geldpolitik für die gesamte Eurozone fest, während die nationalen Zentralbanken diese umsetzen und zusätzlich nationale Aufgaben erfüllen.

Für Privatanleger ist das ESZB vor allem deshalb relevant, weil es die Leitzinsen bestimmt, die direkt die Renditen von Sparbüchern, Tagesgeldern und Anleihen beeinflussen. Wenn das Governing Council der EZB den Leitzins ändert, wirkt sich das auf die Kreditvergabe, die Sparquoten und letztlich auf die Vermögenspreise aus. Ein höherer Leitzins macht Staatsanleihen und Sparprodukte attraktiver, während er Aktienbewertungen tendenziell unter Druck setzt.

Das ESZB kontrolliert auch die Geldmenge im Euroraum durch sogenannte Offenmarktoperationen. Dabei kauft oder verkauft die EZB Wertpapiere, um Liquidität bereitzustellen oder zu entzichen. Diese Maßnahmen beeinflussen die Inflationsrate und damit die reale Kaufkraft von Ersparnissen. Ein Anleger, dessen Sparquote mit 2 Prozent Zinsen bei 4 Prozent Inflation rechnet, erleidet einen realen Kaufkraftverlust von etwa 2 Prozent pro Jahr.

Auch bei der Stabilität des Finanzsystems spielt das ESZB eine Rolle. Die nationalen Zentralbanken beaufsichtigen Banken und können im Krisenfall als Lender of Last Resort fungieren, also Notfallkredite vergeben. Das reduziert das Risiko von Bankenzusammenbrüchen und schützt damit auch Einleger.

Eng verbunden mit dem ESZB sind Begriffe wie die Europäische Zentralbank (EZB), die das System leitet, das Eurosystem, das aus EZB und den Zentralbanken der Euroländer besteht (eine Teilmenge des ESZB), und die Geldpolitik, die das ESZB durch Leitzinsanpassungen und Anleihekäufe betreibt. Auch der Leitzins ist ein zentraler Mechanismus, über den das ESZB auf Wirtschaft und Märkte einwirkt.