Börsenlexikon
Die Duration ist die durchschnittliche Zeitspanne, bis ein Anleiheinvestor seine Investition durch die Summe aller Zahlungsströme (Kupons und Rückzahlung) zurückerhält, gewichtet nach ihrem gegenwärtigen Wert.
Duration misst das Zinsrisiko einer Anleihe oder eines Rentenfonds. Sie berücksichtigt nicht nur die Laufzeit bis zur Fälligkeit, sondern auch die regelmäßigen Zinszahlungen (Kupons) und deren zeitliche Verteilung. Je höher die Duration, desto empfindlicher reagiert der Kurs der Anleihe auf Zinsänderungen.
Der praktische Nutzen liegt in der Risikoeinschätzung: Eine Anleihe mit einer Duration von 5 Jahren verliert etwa 5 Prozent an Wert, wenn die Marktzinsen um 1 Prozentpunkt steigen. Umgekehrt gewinnt sie an Wert, wenn die Zinsen fallen. Diese Sensitivität hilft Anlegern, das Zinsänderungsrisiko ihrer Rentenpapiere zu verstehen.
Rechenbeispiel:
Eine Unternehmensanleihe hat einen Nennwert von 10.000 Euro, eine Laufzeit von 4 Jahren und einen jährlichen Kupon von 3 Prozent (300 Euro). Die Anleihe wird zu Nennwert erworben. Die Zahlungsströme sind: - Jahr 1: 300 Euro - Jahr 2: 300 Euro - Jahr 3: 300 Euro - Jahr 4: 10.300 Euro (Kupon plus Rückzahlung)
Ohne Diskontierung (vereinfacht) ergibt sich: (1 × 300 + 2 × 300 + 3 × 300 + 4 × 10.300) ÷ 11.200 = 3,84 Jahre. Die Duration beträgt also etwa 3,8 Jahre. Dies bedeutet, dass der Anleger seine Investition im Durchschnitt nach etwa 3,8 Jahren zurückgewonnen hat.
Die genaue Berechnung diskontiert alle Zahlungsströme mit der aktuellen Rendite der Anleihe, was die Rechnung komplexer macht, aber das Prinzip verdeutlicht.
Duration unterscheidet sich von der Laufzeit (auch Restlaufzeit genannt), die nur den Zeitpunkt der Endfälligkeit angibt. Eine Anleihe mit 10 Jahren Restlaufzeit kann eine Duration von nur 7 Jahren haben, wenn sie hohe Kupons zahlt. Verwandte Konzepte sind die modifizierte Duration, die die prozentuale Kursänderung pro Zinsänderung direkt angibt, und die Konvexität, die das Krümmungsrisiko bei größeren Zinssprüngen abbildet. Der Spread beschreibt hingegen die Renditedifferenz zwischen verschiedenen Anleihen und ist orthogonal zur Duration.
Für Privatanleger ist Duration relevant, um zu entscheiden, wie stark ihre Rentenpositionen bei Zinsänderungen schwanken. Wer Zinserhöhungen erwartet, sollte Anleihen mit niedriger Duration bevorzugen; wer auf fallende Zinsen spekuliert, kann höhere Duration akzeptieren.

