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Börsenlexikon

Ein Dual IPO ist ein Börsengang, bei dem ein Unternehmen seine Aktien gleichzeitig an zwei verschiedenen Börsenplätzen in unterschiedlichen Ländern oder Währungsräumen zum Handel einführt.

Das Unternehmen platziert dabei eine einzige Aktienklasse, die parallel an mindestens zwei Börsen notiert wird. Typischerweise erfolgt die Erstemission koordiniert an beiden Standorten, sodass Anleger in beiden Regionen vom ersten Handelstag an Zugang zu den Papieren haben. Die Aktien sind wirtschaftlich identisch, unterscheiden sich aber oft in der lokalen Währung und unterliegen den jeweiligen Handelsregeln und Öffnungszeiten des Platzes.

Der Dual IPO verfolgt mehrere Ziele: Das Unternehmen erweitert seine Investorenbasis über nationale Grenzen hinweg, erhöht die Liquidität durch breitere Handelsaktivität und senkt damit typischerweise die Geld-Brief-Spannen. Zugleich profitiert es von regulatorischer Präsenz in mehreren Märkten und kann Kapital in verschiedenen Währungen aufnehmen. Für Privatanleger bedeutet dies, dass sie ein Unternehmen an ihrer heimischen Börse kaufen können, ohne Wechselkursrisiken oder internationale Handelsgebühren in Kauf nehmen zu müssen.

Ein vereinfachtes Beispiel: Ein europäisches Technologieunternehmen emittiert 10 Millionen Aktien und notiert diese gleichzeitig an der Frankfurter Börse in Euro und an der Londoner Börse in Pfund Sterling. Ein deutscher Anleger kann die Aktie in Euro kaufen, ein britischer Anleger in Pfund. Beide halten identische Unternehmensanteile, zahlen aber in ihrer lokalen Währung und handeln zu lokalen Handelszeiten.

Unterschiede entstehen durch Zeitverzögerungen zwischen den Märkten: Wenn in Frankfurt der Handel endet, öffnet sich möglicherweise noch eine andere Börse, was zu Kursabweichungen führen kann. Diese Arbitrage-Chancen schließen sich aber schnell, wenn Großanleger und Handelsautomaten tätig werden.

Der Dual IPO unterscheidet sich vom klassischen IPO dadurch, dass letzterer typischerweise nur an einem Ort stattfindet. Verwandt sind die Konzepte des Cross-Listing, bei dem ein bereits notiertes Unternehmen zusätzliche Notierungen an anderen Börsen hinzufügt, und der Sekundärnotierung, bei der eine Aktie nachträglich an einem zweiten Platz hinzukommt. Auch der Global Depositary Receipt (GDR) verfolgt das Ziel, internationalen Anlegern Zugang zu einem Unternehmen zu geben, arbeitet aber über hinterlegte Zertifikate statt direkter Notierungen.