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Börsenlexikon

Die Deutsche Börse Clearing AG ist ein zentrales Clearinghaus, das Wertpapier- und Derivategeschäfte zwischen Käufern und Verkäufern abwickelt, indem es als Gegenpartei auftritt und damit das Ausfallrisiko minimiert.

Das Unternehmen fungiert als Mittler zwischen den Handelsparteien an der Börse. Wenn zwei Anleger eine Aktie oder ein Derivat handeln, treten sie nicht direkt miteinander in Kontakt. Stattdessen interveniert die Deutsche Börse Clearing AG: Sie wird automatisch zur Käuferin für den Verkäufer und zur Verkäuferin für den Käufer. Dadurch entsteht für jede Partei nur noch eine Gegenpartei mit hoher Bonität, statt sich auf die Zahlungsfähigkeit eines unbekannten Handelsteilnehmers verlassen zu müssen.

Dieser Prozess heißt Novation. Er funktioniert nach dem Prinzip der Zentralisierung: Alle Transaktionen laufen über das Clearinghaus, das als neutrale Institution die Erfüllung garantiert. Sollte ein Marktteilnehmer zahlungsunfähig werden, trägt die Deutsche Börse Clearing AG das Risiko auf, nicht der andere Anleger. Dafür erhebt sie Gebühren und verlangt Sicherheitsleistungen (Margin) von den Markteilnehmern.

Für Privatanleger ist dieses System entscheidend: Es schützt vor Kontrahentenrisiko, also dem Ausfallrisiko des Handelspartners. Ohne Clearing könnten Privatanleger theoretisch Geld verlieren, wenn ein großer Marktteilnehmer zusammenbricht. Die Deutsche Börse Clearing AG trägt das Risiko stattdessen und verwaltet es durch Risikomanagementsysteme, Liquiditätsreserven und Regeln zur Risikobegrenzung.

Konkret bedeutet das: Ein Anleger kauft 100 Aktien zu je 50 Euro. Die Deutsche Börse Clearing AG wird sofort Eigentümerin der Aktien gegenüber dem Verkäufer und Verkäuferin gegenüber dem Käufer. Sie sorgt dafür, dass die Aktien in das Depot des Käufers übertragen und die 5.000 Euro vom Käufer zum Verkäufer fließen – unabhängig davon, ob einer der beiden Parteien später zahlungsunfähig wird.

Die Deutsche Börse Clearing AG ist rechtlich ein Tochterunternehmen der Deutschen Börse AG und unterliegt der Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sowie der Europäischen Zentralbank. Sie ist damit ein systemisch wichtiges Institut für die Stabilität der Finanzmärkte.

Verwandte Begriffe sind das Clearing (die technische Abwicklung selbst), die Abrechnung (die Erfüllung der finanziellen Verpflichtungen) und die Depotbank (die Verwahrung von Wertpapieren für Anleger).