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Börsenlexikon

Deflation ist ein anhaltendes Sinken des allgemeinen Preisniveaus für Waren und Dienstleistungen, das mit einem Rückgang der Geldmenge oder Nachfrage verbunden ist.

Deflation tritt auf, wenn die durchschnittlichen Preise in einer Volkswirtschaft über mehrere Monate oder Jahre hinweg fallen. Dies unterscheidet sich von Inflation, bei der Preise steigen. Während leichte Preisrückgänge in einzelnen Branchen normal sind, sprechen Ökonomen von Deflation erst, wenn das gesamtwirtschaftliche Preisniveau messbar sinkt – etwa wenn die Inflationsrate negativ wird.

Die Ursachen liegen häufig in schwacher Nachfrage, Überproduktion oder einer Verknappung der Geldmenge. Für Privatanleger ist Deflation tückisch, weil sie mehrere unerwartete Effekte auslöst. Zwar klingt es verlockend, dass Waren günstiger werden – tatsächlich führt Deflation aber oft zu Kaufzurückhaltung. Wenn Verbraucher erwarten, dass Preise weiter fallen, verschieben sie ihre Käufe, was Unternehmen unter Druck setzt. Löhne sinken, Arbeitslosigkeit steigt, und der wirtschaftliche Abschwung verstärkt sich selbst.

Für Schuldner wird Deflation zur Last. Ein Privatanleger, der einen Kredit über 100.000 Euro mit 3 Prozent Zinsen aufgenommen hat, zahlt nominell immer 100.000 Euro zurück – doch in einer deflationären Umgebung ist dieses Geld real wertvoller geworden. Die Schuldenlast wächst faktisch, obwohl die Summe gleich bleibt. Umgekehrt profitieren Gläubiger und Sparer: Guthaben auf dem Konto werden real wertvoller, auch ohne Zinsen.

Für Anleger in Aktien und Anleihen ist Deflation problematisch. Unternehmensgewinne schrumpfen in deflationären Phasen, da Unternehmen ihre Produkte nicht teurer verkaufen können, aber ihre Kosten sinken langsamer. Anleihen werden dagegen attraktiver, weil die reale Rendite steigt – eine Anleihe mit 2 Prozent Kupon bringt in einer deflationären Phase mit minus 2 Prozent Preisniveauveränderung real 4 Prozent Rendite.

Die Zentralbanken bekämpfen Deflation mit Leitzinssenkungen und Geldmengenausweitung, um wieder Nachfrage anzukurbeln. Persistente Deflation ist selten, da moderne Geldpolitik sie gezielt verhindert – doch in Phasen wirtschaftlicher Krisen oder Strukturwandel bleibt das Risiko präsent.

Deflation steht in direktem Gegensatz zur Inflation und zur Stagflation, einem Zustand mit gleichzeitiger Inflation und wirtschaftlichem Stagnation. Der Begriff der realen Rendite wird in deflationären Umfeldern besonders wichtig, da die nominale Rendite an Aussagekraft verliert.