Börsenlexikon
Cross Hedge ist eine Absicherungsstrategie, bei der ein Anleger oder Unternehmen das Preisrisiko eines Vermögenswerts oder einer Verbindlichkeit durch Derivate auf einen ähnlichen, aber nicht identischen Basiswert begrenzt.
Der Cross Hedge kommt zum Einsatz, wenn kein passgenaues Terminkontrakt oder keine exakte Absicherungsmöglichkeit für das zu schützende Risiko existiert. Stattdessen nutzt der Anleger ein Derivat auf einen verwandten Wert, der sich typischerweise ähnlich wie das Originalrisiko verhält. Diese Strategie ist vor allem in der Praxis verbreitet, weil standardisierte Futures und Optionen nur für die liquidesten Märkte verfügbar sind.
Ein klassisches Beispiel: Ein europäischer Stahlhersteller exportiert regelmäßig in die USA und trägt damit Wechselkursrisiko. Es gibt keinen Terminkontrakt auf sein Unternehmen selbst. Der Hersteller kann sich aber durch einen Futures-Kontrakt auf den Euro-Dollar-Wechselkurs absichern – diesen gibt es in standardisierter Form. Der Wechselkurs bewegt sich eng mit den Exporteinnahmen mit, weshalb der Futures-Kontrakt das Risiko näherungsweise reduziert.
Ein weiteres Beispiel: Ein Investor hält Anleihen eines mittelständischen Unternehmens. Für diesen spezifischen Emittenten existiert kein börsengehandeltes Derivat. Der Investor kann stattdessen einen Futures-Kontrakt auf einen Anleihe-Index kaufen, der Papiere ähnlicher Bonität und Laufzeit enthält – etwa Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating und 5 bis 7 Jahren Restlaufzeit. Steigen die Renditen am Markt, fallen sowohl die Einzelanleihe als auch der Index, womit der Futures-Kontrakt einen Gewinn realisiert, der die Verluste teilweise ausgleicht.
Die Effektivität eines Cross Hedge hängt von der Korrelation zwischen dem zu schützenden Wert und dem Hedge-Instrument ab. Je höher die Korrelation, desto besser funktioniert die Absicherung. In der Praxis ist eine Korrelation von 0,8 oder höher wünschenswert; unterhalb von 0,7 wird die Absicherung zunehmend unzuverlässig.
Ein Risiko des Cross Hedge ist das sogenannte Basis-Risiko: Auch wenn beide Werte normalerweise zusammenlaufen, können sie sich in Stresssituationen entkoppeln. Ein Beispiel ist eine Finanzkrise, in der Korrelationen zusammenbrechen und Absicherungen ihre Schutzwirkung verlieren.
Cross Hedges unterscheiden sich von Perfect Hedges oder exakten Absicherungen, bei denen das Derivat den Basiswert eins-zu-eins abbildet. Verwandte Konzepte sind das Proxy Hedging, das ähnlich funktioniert, sowie das Minimum-Variance-Hedge, das die optimale Kontraktgröße mathematisch bestimmt.

