Börsenlexikon
Chapter 11 ist ein Insolvenzverfahren des US-amerikanischen Konkursrechts, das es Unternehmen ermöglicht, ihre Geschäftstätigkeit unter gerichtlicher Aufsicht fortzuführen und einen Schuldenabbauplan zu verhandeln, statt sofort liquidiert zu werden.
Das Verfahren ist in Kapitel 11 des US-Bankruptcy Code verankert und unterscheidet sich grundlegend von einer Liquidation. Das Unternehmen bleibt im Besitz seiner Vermögenswerte und kann diese zur Schuldenrestrukturierung nutzen. Ein Insolvenzverwalter überwacht den Prozess, während das Management in der Regel die Geschäfte weiterführt (als sogenannter „Debtor in Possession").
Das Kernziel ist die Erstellung eines Reorganisationsplans. Dieser Plan legt fest, wie Gläubiger entschädigt werden – typischerweise erhalten sie einen Bruchteil ihrer ursprünglichen Forderungen. Beispielsweise könnte ein Unternehmen mit Schulden von 100 Millionen Dollar einen Plan vorschlagen, nach dem Gläubiger nur 60 Prozent ihrer Forderungen ausgezahlt bekommen, der Rest wird gestrichen. Der Plan muss von der Mehrheit der Gläubiger und vom Gericht genehmigt werden.
Für Privatanleger ist Chapter 11 relevant, weil es die Wertentwicklung von Unternehmensanleihen und Aktien erheblich beeinflusst. Anleihegläubiger werden in einem festgelegten Ranking bedient: Gesicherte Gläubiger erhalten Vorrang, danach folgen ungesicherte Anleihegläubiger und schließlich Aktionäre. Aktionäre erleiden oft erhebliche Verluste, da ihre Anteile im schlimmsten Fall wertlos werden. Anleihegläubiger können ebenfalls Verluste hinnehmen, erhalten aber häufig einen Teil ihrer Forderung zurück oder neue Wertpapiere des reorganisierten Unternehmens.
Das Verfahren kann mehrere Jahre andauern. Während dieser Zeit sind Wertpapiere des betroffenen Unternehmens hochspekulativ, da der Ausgang ungewiss ist. Einige Anleger kaufen „Distressed Debt" (notleidende Schulden) in der Hoffnung, nach der Reorganisation Gewinne zu erzielen – dies ist jedoch eine Hochrisikostrategie.
Chapter 11 unterscheidet sich von Chapter 7 (Liquidation, bei der das Unternehmen aufgelöst wird) und Chapter 13 (ein Verfahren für Privatpersonen). International existieren vergleichbare Mechanismen wie die Insolvenzordnung (InsO) in Deutschland oder das Insolvenzverfahren in anderen Ländern, die ähnliche Ziele verfolgen, aber unterschiedliche rechtliche Rahmen haben.

