Börsenlexikon
Der Briefkurs ist der Preis, zu dem ein Verkäufer (Market Maker oder Börsenträger) bereit ist, Wertpapiere zu verkaufen – es ist also der Angebotspreis an der Börse.
An jeder Börse entstehen Kurse durch das Aufeinandertreffen von Kauf- und Verkaufsaufträgen. Der Briefkurs bildet dabei die Angebotsseite ab: Ein Anleger, der Aktien, Anleihen oder andere Wertpapiere kaufen möchte, zahlt den Briefkurs. Gleichzeitig existiert der Geldkurs (auch Bidkurs genannt), zu dem Käufer maximal bereit sind zu kaufen – oder umgekehrt: zu dem Verkäufer ihre Papiere anbieten. Die Differenz zwischen Briefkurs und Geldkurs nennt sich Geld-Brief-Spanne oder Spread.
Praktisches Beispiel: Eine Aktie wird an der Börse mit einem Geldkurs von 100,00 Euro und einem Briefkurs von 100,10 Euro notiert. Ein Anleger, der kaufen möchte, zahlt 100,10 Euro pro Aktie (Briefkurs). Ein Anleger, der verkaufen möchte, erhält 100,00 Euro pro Aktie (Geldkurs). Die Spanne von 0,10 Euro ist der Gewinn des Market Makers, der diese Kurse stellt, oder sie kompensiert die Transaktionskosten der Börse.
Bei Wertpapieren mit hoher Liquidität – etwa große Standardaktien oder Staatsanleihen – ist der Briefkurs sehr nah am Geldkurs, die Spanne beträgt oft nur wenige Cent oder Bruchteile davon. Bei illiquiden Papieren mit wenigen Handelsteilnehmern kann die Spanne deutlich größer ausfallen, was den Kauf teurer und den Verkauf günstiger macht.
Für Privatanleger ist der Briefkurs deshalb relevant, weil er den tatsächlichen Kaufpreis bestimmt – nicht der oft zitierte „Schlusskurs" oder Durchschnittskurs. Beim Kauf zahlt der Anleger immer den höheren Briefkurs, beim Verkauf erhält er den niedrigeren Geldkurs. Diese Asymmetrie führt dazu, dass ein Wertpapier unmittelbar nach dem Kauf oft unter dem Kaufpreis notiert, obwohl sich die Marktlage nicht geändert hat – es ist schlicht die Geld-Brief-Spanne.
Der Briefkurs wird auch als Angebotspreis, Ask-Preis oder englisch „ask" bezeichnet. Eng verwandt sind die Begriffe Geldkurs (der Preis, zu dem man verkaufen kann), Geld-Brief-Spanne (die Differenz zwischen beiden Kursen) und Liquidität (je enger die Spanne, desto liquider ist das Wertpapier).

