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Börsenlexikon

Brief ist der Kurs oder Preis, zu dem ein Verkäufer (Market Maker oder Privatanleger) ein Wertpapier anbietet – es handelt sich also um die Verkaufsseite im Orderbuch.

Der Brief bildet zusammen mit dem Geld (dem Kaufgebot) die Grundstruktur jedes Wertpapierhandels an der Börse. Während der Geldkurs angibt, zu welchem Preis jemand kaufen möchte, zeigt der Briefkurs, zu welchem Preis jemand verkaufen will. Die Differenz zwischen beiden Kursen heißt Geld-Brief-Spanne oder Spread.

Für einen Privatanleger ist der Brief der maßgebliche Preis beim Kauf: Wer ein Wertpapier kaufen möchte, muss in der Regel den aktuellen Briefkurs zahlen. Umgekehrt ist der Geldkurs relevant beim Verkauf – der Anleger erhält den niedrigeren Geldkurs, nicht den höheren Briefkurs. Diese Spanne ist ein Bestandteil der Handelskosten und wird nicht separat berechnet, sondern wirkt sich direkt auf den Ausführungspreis aus.

Praktisches Beispiel: Die Aktie eines Unternehmens notiert mit einem Geldkurs von 50,00 Euro und einem Briefkurs von 50,10 Euro. Ein Anleger, der diese Aktie kaufen möchte, zahlt 50,10 Euro pro Aktie (Brief). Derselbe Anleger erhält beim sofortigen Verkauf nur 50,00 Euro pro Aktie (Geld). Die Spanne von 0,10 Euro ist die Gebühr des Handelsplatzes und des Market Makers für die Liquiditätsbereitstellung.

Die Breite des Spreads hängt von der Liquidität des Wertpapiers ab. Bei sehr häufig gehandelten Wertpapieren wie großen DAX-Aktien oder populären ETFs ist die Geld-Brief-Spanne oft sehr klein – manchmal nur wenige Cent. Bei selten gehandelten Papieren kann der Spread deutlich größer ausfallen, was die Handelskosten erhöht.

Privatanleger sollten beachten, dass der Brief nicht immer verfügbar ist in der angebotenen Menge – die Markttiefe zeigt, wie viele Anteile zu diesem Kurs verkauft werden können. Ist die gewünschte Menge größer als das Angebot beim besten Briefkurs, muss der Anleger zu schlechteren (höheren) Preisen kaufen.

Verwandte Begriffe sind der Geldkurs (Kaufgebot), der Spread (Geld-Brief-Spanne) und die Markttiefe oder das Orderbuch, das zeigt, wie viele Anteile zu verschiedenen Brief- und Geldkursen verfügbar sind.