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Börsenlexikon

Bookbuilding ist ein strukturiertes Verfahren zur Ermittlung des Ausgabepreises und der Nachfrage bei Neuemissionen von Wertpapieren, bei dem institutionelle Investoren in einer definierten Frist ihre Kaufabsichten und Preisvorstellungen mitteilen.

Funktionsweise

Beim Bookbuilding fungiert ein Emissionshaus (Lead Manager) als zentraler Koordinator. Das Unternehmen oder die Institution, die Wertpapiere ausgeben möchte, beauftragt dieses Haus mit der Platzierung. Der Lead Manager lädt institutionelle Investoren – etwa Fonds, Versicherungen und große Vermögensverwalter – zu sogenannten Roadshows ein, auf denen die Investmentchancen präsentiert werden.

In der anschließenden Bookbuilding-Phase können diese Investoren verbindliche oder unverbindliche Kauf­orders abgeben. Sie teilen mit, wie viele Wertpapiere sie zu welchen Preisen erwerben würden. Der Lead Manager trägt diese Gebote in ein „Buch" (daher der Name) ein und erstellt eine Nachfragekurve. Diese zeigt, wie viel Volumen bei verschiedenen Preisen nachgefragt wird.

Basierend auf dieser Kurve legt der Emittent gemeinsam mit dem Lead Manager den finalen Ausgabepreis fest – typischerweise dort, wo Angebot und Nachfrage optimal aufeinandertreffen. Nach Festlegung des Preises erhalten die Investoren ihre Zuteilungen.

Bedeutung für Privatanleger

Privatanleger haben während des Bookbuildings normalerweise keinen direkten Zugang. Sie können erst nach dem Börsengang (IPO) oder nach der Emission am Sekundärmarkt einsteigen. Der Ausgabepreis, der durch Bookbuilding ermittelt wird, ist jedoch relevant: Er bestimmt den Startkurs und beeinflusst damit die ersten Handelspreise, zu denen Privatanleger kaufen können.

Ein transparentes Bookbuilding-Verfahren mit breiter Nachfrage signalisiert starkes Marktinteresse und kann auf eine stabile Bewertung hindeuten. Umgekehrt deutet schwache Nachfrage oder eine hohe Spanne zwischen Mindest- und Maximalpreis auf Unsicherheit hin.

Beispiel

Ein Technologieunternehmen plant einen IPO mit 5 Millionen Aktien. Der Lead Manager sammelt Gebote von Investoren im Preisbereich von 15 bis 22 Euro je Aktie. Bei 18 Euro besteht ausreichend Nachfrage für alle 5 Millionen Aktien. Der Emittent setzt den Ausgabepreis auf 18 Euro fest. Privatanleger können die Aktie anschließend im regulären Börsenhandel erwerben, möglicherweise zu höheren oder niedrigeren Kursen.

Verwandte Konzepte sind die Greenshoe-Option, die dem Lead Manager eine Überallokation erlaubt, die Roadshow, die Investoren-Informationsveranstaltung vor dem Bookbuilding, und die Platzierung, das allgemeine Verfahren zur Wertpapierausgabe.