Börsenlexikon
Backwardation ist eine Marktstruktur bei Futures und Rohstoffkontrakten, bei der der Preis für sofortige Lieferung (Spotpreis) höher liegt als der Preis für zukünftige Lieferungen.
Funktionsweise
Bei Backwardation notieren Kontrakte mit längeren Laufzeiten zu niedrigeren Preisen als Kontrakte mit kürzeren Laufzeiten oder der aktuelle Spotmarkt. Dies tritt typischerweise auf, wenn eine unmittelbare Knappheit oder hohe gegenwärtige Nachfrage besteht.
Ein vereinfachtes Rechenbeispiel verdeutlicht die Struktur: Ein Rohstoff-Future für sofortige Lieferung (Spot) wird mit 100 Euro pro Einheit gehandelt. Der Kontrakt für Lieferung in 3 Monaten notiert bei 98 Euro, der 6-Monats-Kontrakt bei 96 Euro und der 12-Monats-Kontrakt bei 94 Euro. Diese abnehmende Preiskurve kennzeichnet Backwardation.
Ursachen und Bedeutung
Backwardation entsteht häufig durch temporäre Angebotsengpässe, hohe Lagerkosten oder den physischen Bedarf von Marktteilnehmern, die den Rohstoff kurzfristig benötigen. Sie signalisiert, dass der Markt gegenwärtig angespannt ist.
Für Privatanleger ist Backwardation relevant, weil sie die Rentabilität von Rohstoff-ETFs und Futures-basierten Fonds beeinflusst. Fonds, die kontinuierlich auslaufende Kontrakte in weiter entfernte Laufzeiten „rollen" (nachkaufen), realisieren dabei Verluste, wenn sie günstigere zukünftige Kontrakte zu höheren gegenwärtigen Preisen verkaufen. Über längere Zeiträume kann dieser sogenannte Roll-Verlust die Rendite erheblich schmälern.
Praktische Implikationen
Privatanleger sollten bei der Auswahl von Rohstoff-Investments die Marktstruktur berücksichtigen. Ein Blick auf die Terminstruktur (die Preiskurve über verschiedene Laufzeiten) zeigt, ob Backwardation oder das Gegenteil, die Contango-Struktur, vorliegt. Produkte, die in Backwardation-Märkten investieren, können von Roll-Verlusten geprägt sein.
Backwardation ist eng mit dem Begriff Contango verbunden, der die entgegengesetzte Marktstruktur beschreibt – steigende Preise über längere Laufzeiten hinweg. Die Terminstruktur bezeichnet die grafische Darstellung dieser Preisunterschiede. Der Roll-Ertrag oder Roll-Verlust quantifiziert den Gewinn oder Verlust beim Übergang von einem auslaufenden in einen neuen Kontrakt.

