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Börsenlexikon

Ausfallrisiko ist die Gefahr, dass ein Schuldner (Emittent) seine vertraglichen Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllt und Gläubiger einen Teil oder die gesamte Forderung verlieren.

Das Ausfallrisiko entsteht immer dann, wenn ein Anleger Geld an einen Schuldner verleiht – sei es durch den Kauf einer Anleihe, durch ein Bankdarlehen oder durch andere Kreditvergaben. Der Schuldner verpflichtet sich, Zinsen zu zahlen und das Kapital zurückzugeben. Kommt er dieser Verpflichtung nicht nach, erleidet der Gläubiger einen finanziellen Verlust. Dieses Risiko ist umso höher, je schlechter die Bonität des Schuldners ist.

Für Privatanleger ist das Ausfallrisiko besonders bei Anleihen relevant. Ein Unternehmen mit stabilen Gewinnen und niedriger Verschuldung hat ein geringeres Ausfallrisiko als ein hochverschuldetes Unternehmen in schwierigem Marktumfeld. Staaten mit stabiler Wirtschaft und solider Staatsfinanzen fallen seltener aus als Länder mit chronischen Haushaltsdefiziten. Das Ausfallrisiko wird durch Ratingagenturen bewertet, die Schuldnern Noten wie „AAA" (sehr sicher) bis „C" (sehr riskant) vergeben.

Rechenbeispiel: Ein Anleger kauft eine Unternehmensanleihe mit 10.000 Euro Nennwert und 4 Prozent jährlichem Kupon. Der Emittent zahlt zunächst zwei Jahre lang die vereinbarten 400 Euro pro Jahr. Im dritten Jahr gerät das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten und zahlt weder die 400 Euro Zinsen noch die 10.000 Euro Kapital zurück. Der Anleger erleidet einen Totalverlust von 10.400 Euro (Kapital plus ausstehende Zinsen). Je nach Insolvenzverfahren könnte er noch einen Teil der Forderung aus der Liquidation des Unternehmens erhalten – sein Ausfallrisiko hat sich dann teilweise, nicht vollständig materialisiert.

Das Ausfallrisiko wird von mehreren Faktoren beeinflusst: der wirtschaftlichen Situation des Schuldners, seiner Branche, der Höhe seiner bestehenden Schulden und der Position des Gläubigers in der Rangordnung (Seniority). Besicherte Anleihen, bei denen konkrete Vermögenswerte als Sicherheit dienen, haben ein geringeres Ausfallrisiko als unbesicherte.

Verwandte Begriffe sind das Kreditrisiko, das Ausfallrisiko als Teilaspekt einschließt, die Bonität, die die Fähigkeit eines Schuldners zur Zahlung misst, die Kreditspread, welche die Risikoprämie für höhere Ausfallwahrscheinlichkeit abbildet, und die Diversifikation, eine Strategie zur Streuung von Ausfallrisiken über mehrere Schuldner.