Börsenlexikon
Der Auftragsbestand ist die Summe aller von einem Unternehmen noch nicht ausgeführten, aber bereits verbindlich angenommenen Kundenaufträge, die in zukünftigen Perioden zu Umsatz und Gewinn führen werden.
Der Auftragsbestand funktioniert als Indikator für die künftige Geschäftstätigkeit. Wenn ein Industrieunternehmen beispielsweise Maschinen herstellt und ein Kunde eine Bestellung aufgibt, die erst in drei Monaten geliefert wird, fließt dieser Auftrag in den Auftragsbestand ein. Solange die Lieferung nicht erfolgt ist, bleibt der Auftrag Teil dieses Bestands. Erst bei Auslieferung und Rechnungsstellung wird der Auftrag aus dem Bestand entnommen und als realisierter Umsatz verbucht.
Für Privatanleger ist der Auftragsbestand ein wichtiges Qualitätsmerkmal zur Bewertung von Unternehmen. Ein wachsender Auftragsbestand deutet darauf hin, dass das Unternehmen künftig steigende Umsätze erwarten kann und dass die Nachfrage nach seinen Produkten oder Dienstleistungen robust ist. Umgekehrt signalisiert ein schrumpfender Auftragsbestand abnehmende Nachfrage und mögliche Umsatzrückgänge in kommenden Quartalen. Daher veröffentlichen Unternehmen diese Kennzahl regelmäßig in ihren Geschäftsberichten.
Ein praktisches Beispiel: Ein Maschinenbauer hat zu Jahresbeginn einen Auftragsbestand von 50 Millionen Euro. Im ersten Quartal liefert er Aufträge im Wert von 12 Millionen Euro aus und erhält gleichzeitig neue Bestellungen von 18 Millionen Euro. Der neue Auftragsbestand beträgt dann 56 Millionen Euro (50 − 12 + 18). Ein solcher Anstieg wäre für Anleger ein positives Signal für die Geschäftsentwicklung.
Die Aussagekraft des Auftragsbestands hängt von der Branche ab. In Industrien mit langen Produktionszyklen wie dem Maschinenbau oder der Luft- und Raumfahrt ist der Auftragsbestand besonders aussagekräftig. In Branchen mit kurzen Lieferketten oder Dienstleistungen hat er geringere Bedeutung.
Verwandte Begriffe sind die Auftragsquote, die das Verhältnis des Auftragsbestands zum durchschnittlichen monatlichen oder vierteljährlichen Umsatz ausdrückt, sowie die Ordereingangsquote, die die neu eingegangenen Bestellungen misst. Auch das Konzept der Bilanzierungsrückstellung ist eng mit dem Auftragsbestand verknüpft, da Unternehmen bereits erhaltene Anzahlungen für noch nicht erbrachte Leistungen als Verbindlichkeit bilanzieren müssen.

