Börsenlexikon
Außerbörslicher Handel ist der Kauf und Verkauf von Wertpapieren direkt zwischen Käufer und Verkäufer, ohne dass eine regulierte Börse als Handelsplatz zwischengeschaltet ist.
Im außerbörslichen Handel, auch Over-the-Counter-Handel (OTC) genannt, einigen sich Anleger und Broker oder zwei Broker direkt auf Preis und Bedingungen. Es gibt keinen zentralen Marktplatz wie die Frankfurter Börse, sondern ein dezentrales Netzwerk von Marktteilnehmern. Die Abwicklung erfolgt typischerweise über Banken oder spezialisierte Makler, die als Vermittler oder Handelspartner fungieren.
Für Privatanleger ist außerbörslicher Handel vor allem beim Kauf von Fonds, Anleihen und bestimmten Aktien relevant. Viele Investmentfonds werden ausschließlich außerbörslich über die Fondsgesellschaft oder einen Distributor wie eine Bank vertrieben. Ein Anleger, der einen Fonds mit einem Nennwert von 100 Euro kauft, handelt diesen typischerweise außerbörslich zum Ausgabepreis mit der Fondsgesellschaft oder einem autorisierten Vertriebspartner.
Ein Vorteil des außerbörslichen Handels liegt in der Flexibilität: Privatanleger können zu Zeiten handeln, zu denen die Börse geschlossen ist. Nachteilig wirkt sich aus, dass es keine standardisierte Preisbildung gibt – Transparenz und Vergleichbarkeit sind geringer als im börslichen Handel. Der Bid-Ask-Spread, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis, kann größer ausfallen. Auch die Abwicklung kann länger dauern.
Privatanleger sollten beachten, dass außerbörsliche Kurse nicht in Echtzeit veröffentlicht werden wie Börsenkurse. Wer eine Anleihe außerbörslich kauft, erhält möglicherweise nur sporadische Preisauskünfte von seinem Broker. Das macht es schwieriger, den tatsächlichen Marktpreis zu beurteilen.
Regulatorisch unterliegt außerbörslicher Handel in vielen Ländern weniger strikten Anforderungen als der Börsenhandel, wird aber zunehmend durch Gesetze wie die Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID) überwacht. Banken müssen ihre Kunden über die Risiken und Kosten informieren.
Der Unterschied zwischen außerbörslichem Handel und dem Handel an regulierten Märkten wie Xetra oder dem Freiverkehr ist entscheidend. Der Freiverkehr ist zwar weniger reguliert als der Hauptmarkt einer Börse, findet aber trotzdem an einem organisierten Handelsplatz statt und bietet damit mehr Transparenz als reiner OTC-Handel. Anleger sollten vor jedem Kauf klären, ob und wo ein Wertpapier gehandelt wird.

