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Börsenlexikon

Der Anleihemarkt ist der Handelsplatz, auf dem Schuldverschreibungen (Anleihen) zwischen Emittenten und Investoren gehandelt werden, wobei Anleihen festverzinsliche Wertpapiere sind, die dem Käufer regelmäßige Zinszahlungen und die Rückzahlung des Nennwerts zu einem festgelegten Termin garantieren.

Der Anleihemarkt funktioniert als dezentrales Handelssystem, in dem Staaten, Kommunen, Unternehmen und internationale Organisationen Schulden aufnehmen, indem sie Anleihen ausgeben. Privatanleger und institutionelle Investoren erwerben diese Wertpapiere und erhalten im Gegenzug Zinsen (Kupon genannt) sowie die Rückzahlung ihres eingesetzten Kapitals. Der Handel erfolgt sowohl über Börsen als auch außerbörslich im sogenannten OTC-Markt (Over-the-Counter).

Für Privatanleger ist der Anleihemarkt eine wichtige Ergänzung zum Aktienmarkt, da Anleihen typischerweise weniger volatil sind und planbare Erträge bieten. Sie dienen oft als stabilisierendes Element in einem diversifizierten Portfolio. Die Rendite einer Anleihe hängt vom Kreditrisiko des Emittenten ab: Staatsanleihen von bonitätsstarken Ländern bieten niedrigere Renditen, während Unternehmensanleihen von kleineren oder risikoreicheren Unternehmen höhere Zinsen zahlen müssen, um Investoren anzulocken.

Ein Rechenbeispiel verdeutlicht die Funktionsweise: Ein Anleger kauft eine Unternehmensanleihe mit einem Nennwert von 10.000 Euro und einem Kupon von 4 Prozent pro Jahr. Der Emittent zahlt dem Anleger jährlich 400 Euro Zinsen. Nach 10 Jahren (der Laufzeit) erhält der Anleger zusätzlich die 10.000 Euro zurück. Kauft der Anleger die Anleihe nicht zum Nennwert, sondern mit Auf- oder Abschlag, verändert sich die tatsächliche Rendite entsprechend.

Die Kurse von Anleihen werden durch Zinsentwicklungen beeinflusst: Steigen die Marktzinsen, fallen die Kurse bestehender Anleihen, da ihre Verzinsung relativ unattraktiv wird. Sinken die Marktzinsen, steigen die Kurse. Dies ist besonders für Anleger relevant, die ihre Anleihen vor Fälligkeit verkaufen möchten.

Eng verwandte Konzepte sind die Kreditrating-Agenturen, die die Bonität von Emittenten bewerten und damit die Risikoeinschätzung prägen, sowie der Rentenmärkte, der synonym für Anleihemärkte verwendet wird. Auch das Konzept der Laufzeit und Rendite bis zur Fälligkeit (Yield-to-Maturity) sind zentral für das Verständnis von Anleiheninvestitionen.