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Börsenlexikon

Abschlag ist der Betrag oder Prozentsatz, um den der Kurs eines Wertpapiers unter seinem inneren Wert oder einem Referenzwert liegt.

Der Abschlag tritt auf, wenn ein Wertpapier an der Börse zu einem niedrigeren Preis gehandelt wird, als sein rechnerischer oder theoretischer Wert beträgt. Dies ist das Gegenteil einer Prämie, bei der der Kurs über dem Referenzwert notiert.

Ein häufiger Anwendungsfall sind geschlossene Fonds und Zertifikate. Hier wird der Nettoinventarwert (NAV) – also der Wert aller Vermögenswerte minus Schulden pro Anteil – mit dem Börsenkurs verglichen. Notiert ein Fonds zu 95 Euro, während sein NAV bei 100 Euro liegt, beträgt der Abschlag 5 Euro oder 5 Prozent. Privatanleger zahlen dann weniger, als der Fonds tatsächlich wert ist – was zunächst attraktiv wirkt, aber oft mit geringerer Liquidität, Marktvertrauen oder höheren Gebühren erklärt werden kann.

Auch bei Anleihen entsteht ein Abschlag, wenn der Kurs unter dem Nennwert liegt. Eine Anleihe mit 10.000 Euro Nennwert und 3 Prozent jährlichem Kupon wird beispielsweise zu 9.500 Euro gehandelt. Der Abschlag beträgt dann 500 Euro oder 5 Prozent. Dies geschieht typischerweise, wenn die Marktzinsen gestiegen sind: Neue Anleihen bieten höhere Renditen, weshalb ältere, niedrig verzinste Papiere nur mit Kursabschlag verkäuflich sind.

Bei Wandelanleihen und Optionsscheinen wird der Abschlag zur Berechnung des inneren Wertes herangezogen. Ein Optionsschein, dessen innerer Wert unter seinem Börsenpreis liegt, notiert mit Abschlag zum inneren Wert – die Differenz wird als Zeitwert bezeichnet.

Für Privatanleger ist der Abschlag ein Indikator für Bewertung und Risiko. Ein großer Abschlag bei Fonds kann auf Zweifel des Marktes hindeuten, kann aber auch eine Kaufgelegenheit sein, wenn die Gründe vorübergehend sind. Bei Anleihen signalisiert ein Abschlag gestiegene Renditen für Käufer – wer eine Anleihe mit Abschlag kauft, erhält eine höhere Gesamtrendite, wenn er sie bis zur Fälligkeit hält.

Der Abschlag unterscheidet sich vom Disagio, das speziell bei Darlehen und Anleihen den Unterschied zwischen Auszahlungsbetrag und Rückzahlungsbetrag bezeichnet. Verwandte Konzepte sind die Prämie als Gegenteil sowie der Agio, der bei Währungen und Edelmetallen ähnliche Bedeutung hat.