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Börsenlexikon

Eine offene Position ist eine Wertpapier- oder Derivatposition, bei der ein Anleger noch nicht alle erworbenen oder verkauften Titel glattgestellt hat und somit weiterhin dem Marktrisiko ausgesetzt ist.

Offene Positionen entstehen, wenn ein Anleger Wertpapiere kauft oder leerverkauft, ohne diese Transaktion durch einen Gegengeschäft zu beenden. Der Anleger bleibt bis zur Glattstellung — also dem Verkauf oder Rückkauf der Position — an die Kursentwicklung gebunden. Dies unterscheidet sich fundamental von geschlossenen Positionen, die bereits realisiert wurden und keine laufenden Gewinne oder Verluste mehr generieren.

Die Relevanz für Privatanleger liegt darin, dass offene Positionen ein direktes Risiko darstellen. Ein Anleger, der 100 Aktien eines Unternehmens kauft und diese noch hält, hat eine offene Long-Position. Fällt der Kurs, sinkt der Wert dieser Position proportional. Umgekehrt profitiert der Anleger von Kurssteigerungen. Solange die Position offen bleibt, ist das Risiko aktiv.

Rechenbeispiel: Ein Privatanleger kauft 50 Aktien zu 100 Euro pro Aktie und investiert damit 5.000 Euro. Nach einer Woche steigt der Kurs auf 110 Euro. Die offene Position ist nun 5.500 Euro wert — ein unrealisierter Gewinn von 500 Euro. Entschließt sich der Anleger zum Verkauf, wird dieser Gewinn realisiert und die Position geschlossen. Wartet er weiter und der Kurs fällt auf 95 Euro, beträgt der unrealisierte Verlust 250 Euro, bis er die Position durch einen Verkauf glattgestellt.

Bei Derivaten wie Optionen oder Futures ist das Konzept ähnlich, allerdings mit höherer Hebelwirkung. Eine offene Call-Option bindet Kapital und unterliegt dem Zeitwertverfall bis zur Ausübung oder zum Verfall.

Offene Positionen erfordern aktive Überwachung und Entscheidungsfindung. Der Anleger muss regelmäßig überprüfen, ob die Position noch seiner Strategie entspricht und ob das eingegangene Risiko angemessen ist. Dies unterscheidet sich von der Haltestrategie, bei der Positionen langfristig ohne aktive Anpassung gehalten werden.

Eng verwandte Begriffe sind die geschlossene Position, bei der alle Anteile verkauft oder zurückgekauft wurden, die Long-Position, die von steigenden Kursen profitiert, die Short-Position, die auf fallende Kurse setzt, und das Risikomanagement, das den Umgang mit offenen Positionen durch Stop-Loss-Orders oder Diversifikation regelt.