Börsenlexikon
Ein Linienchart ist eine Darstellungsform für Kursverlauf, bei der die Schlusskurse aufeinanderfolgender Zeiträume durch eine kontinuierliche Linie verbunden werden.
Der Linienchart entsteht, indem der Schlusskurs eines jeden Tages, einer Woche oder eines Monats als Punkt markiert wird und diese Punkte dann chronologisch mit geraden Linien verbunden werden. Dadurch entsteht ein zusammenhängender Kurvenverlauf, der die übergeordnete Bewegungsrichtung eines Wertpapiers zeigt. Im Gegensatz zum Candlestick-Chart oder Balkenchart, die auch Eröffnungs-, Höchst- und Tiefstkurse abbilden, reduziert der Linienchart die Information bewusst auf einen einzigen Wert pro Periode.
Diese Reduktion macht den Linienchart besonders übersichtlich: Ein Anleger, der die Entwicklung einer Aktie, eines Fonds oder eines Rohstoffpreises über mehrere Monate oder Jahre verfolgt, erkennt Trends schneller als in komplexeren Charttypen. Die Linie zeigt unmittelbar, ob ein Kurs gestiegen, gefallen oder seitwärts gelaufen ist. Für langfristige Investoren, die eher an der grundsätzlichen Richtung interessiert sind als an kurzfristigen Schwankungen innerhalb eines Tages, ist der Linienchart daher ein ausreichendes Analysewerkzeug.
Ein praktisches Beispiel: Ein Anleger möchte die Wertentwicklung eines ETF über 12 Monate nachvollziehen. Der ETF schließt am Ende des ersten Monats bei 100 Euro, nach dem zweiten Monat bei 105 Euro, nach dem dritten bei 103 Euro, nach dem vierten bei 110 Euro und so weiter. Im Linienchart würde eine Linie diese fünf Punkte verbinden und das Auf und Ab graphisch darstellen. Der Anleger sieht auf einen Blick, dass die Gesamttendenz aufwärts geht, obwohl es auch Rücksetzer gab.
Ein wichtiger Nachteil des Linienchartsist, dass Intraday-Bewegungen – also Kursschwankungen innerhalb eines Tages – vollständig unsichtbar bleiben. Ein Kurs könnte intraday um 20 Prozent geschwankt haben, der Linienchart zeigt davon nichts, wenn der Schlusskurs dem Vortag ähnelt.
Der Linienchart wird häufig zusammen mit anderen Charttypen verwendet. Der Balkenchart zeigt zusätzlich die Spannbreite zwischen Tief- und Höchststand, während der Candlestick-Chart durch farbliche Kodierung auch die Beziehung zwischen Eröffnungs- und Schlusskurs deutlich macht. Manche Anleger nutzen auch das Punkt-und-Figur-Chart, das Preisbewegungen ohne Zeitbezug darstellt.

