Börsenlexikon
Der Leitkurs ist der Kurs, zu dem eine Börse einen Wertpapier-Handel eröffnet und der für die Preisfeststellung am Markt maßgeblich ist.
Der Leitkurs wird von der Börse oder einem beauftragten Market Maker zu Handelsbeginn ermittelt. Er basiert auf den Kauf- und Verkaufsaufträgen, die Anleger bis zur Eröffnung erteilt haben. Die Börse berechnet denjenigen Kurs, bei dem die größte Anzahl dieser Aufträge ausgeführt werden kann — das Prinzip heißt Auktionsmechanismus. Dieser Eröffnungskurs wird dann zum Leitkurs erklärt und bestimmt die ersten Transaktionen des Tages.
Der Leitkurs hat für Privatanleger mehrere praktische Bedeutungen. Erstens prägt er die Stimmung am Markt: Ein deutlich höherer Leitkurs als der Schlusskurs des Vortags signalisiert Kauflust, ein niedrigerer Leitkurs deutet auf Verkaufsdruck hin. Zweitens beeinflusst der Leitkurs die Orderausführung von Anleger-Orders, die mit „Eröffnungsauktion" oder ähnlichen Zusätzen versehen sind. Drittens nutzen Fonds und institutionelle Anleger den Leitkurs als Referenzpunkt für ihre Bewertung von Positionen.
Ein Beispiel verdeutlicht die Funktionsweise: Nehmen wir an, eine Aktie schloss am Vortag bei 100 Euro. Bis zur Eröffnung liegen folgende Aufträge vor: 500 Stück Kaufaufträge zu 101 Euro, 300 Stück Kaufaufträge zu 100 Euro, 400 Stück Verkaufsaufträge zu 100 Euro und 200 Stück Verkaufsaufträge zu 99 Euro. Die Börse prüft, bei welchem Kurs sich Angebot und Nachfrage am besten ausgleichen. Bei 100 Euro sind 600 Aktien ausführbar: Kaufbereit sind 800 Stück (die 500 mit Limit 101 kaufen auch günstiger, dazu die 300 mit Limit 100), verkaufsbereit sind 600 Stück (400 mit Limit 100 und 200 mit Limit 99). Bei 101 Euro kämen nur 500 Stück zusammen. Der Leitkurs wird daher auf 100 Euro festgesetzt, und die Eröffnung erfolgt zu diesem Kurs.
Der Leitkurs unterscheidet sich vom Schlusskurs des Vortages, der den letzten Handelspreis des vorherigen Tages markiert. Eng verwandt sind auch die Begriffe Eröffnungskurs (der tatsächlich realisierte Kurs nach Auktion) und Referenzkurs, der als Vergleichswert für Tagesveränderungen herangezogen wird. Bei illiquiden Wertpapieren kann es vorkommen, dass kein Leitkurs zustande kommt, wenn Käufer und Verkäufer zu weit auseinander liegen.

