Börsenlexikon
Krisensicher investieren bedeutet, ein Anlageportfolio so zusammenzustellen, dass es in wirtschaftlichen Abschwüngen, Marktcrashs oder Finanzkrisen weniger an Wert verliert als der Gesamtmarkt.
Die Strategie basiert auf der Annahme, dass nicht alle Anlageklassen und Wertpapiere gleich stark auf Krisen reagieren. Während zyklische Aktien (etwa aus Industrie oder Einzelhandel) in Rezessionen oft deutlich an Wert verlieren, zeigen defensive Positionen mehr Widerstandskraft. Dazu gehören Staatsanleihen von bonitätsstarken Ländern, Unternehmensanleihen mit hoher Bonität, Dividendentitel aus stabilen Branchen wie Versorgung oder Pharmazie, sowie Gold und andere Rohstoffe, die als Fluchtpunkte gelten.
Das Konzept funktioniert durch Diversifikation: Ein Portfolio mit 60 Prozent Aktien aus stabilen Sektoren, 30 Prozent Anleihen und 10 Prozent Gold oder Bargeld puffert Kursverluste ab. Wenn Aktienmärkte in einer Krise um 30 Prozent fallen, sinkt ein solches Portfolio typischerweise um einen deutlich niedrigeren Prozentsatz, weil die Anleihen und Rohstoffe stabilisierend wirken oder sogar im Wert steigen.
Ein praktisches Beispiel: Ein Anleger investiert 100.000 Euro. Er erwirbt für 60.000 Euro Aktien von Versorgungsunternehmen und Konsumgüterhersteller (weniger konjunkturabhängig), für 30.000 Euro Staatsanleihen mit 3 Prozent Rendite und für 10.000 Euro physisches Gold. Tritt eine Krise ein und Aktien fallen um 25 Prozent, sinkt dieser Aktienteil auf 45.000 Euro. Die Anleihen bleiben stabil bei 30.000 Euro, Gold kann sogar auf 11.000 Euro steigen. Das Gesamtportfolio fällt dann auf etwa 86.000 Euro statt auf 70.000 Euro – ein Verlust von 14 Prozent statt 30 Prozent.
Wichtig zu verstehen: Krisensichere Investitionen kosten Rendite in normalen Zeiten. Die defensive Ausrichtung führt zu niedrigeren Gewinnen, wenn die Wirtschaft wächst. Es geht um einen Kompromiss zwischen Sicherheit und Ertrag.
Der Ansatz hängt eng mit dem Konzept der Vermögensallokation zusammen, die das Verhältnis von Aktien, Anleihen und Alternativen festlegt. Verwandt sind auch die Begriffe Korrelation (wie stark verschiedene Anlagen zusammen fallen) und Value-at-Risk, ein Risikomaß für maximale Verluste. Privatanleger nutzen solche Strategien oft durch defensive Fonds oder ETFs, die gezielt stabile Wertpapiere auswählen.

