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Börsenlexikon

Ein Haussier ist ein Anleger oder Marktteilnehmer, der damit rechnet, dass die Kurse von Wertpapieren oder eines gesamten Marktes in absehbarer Zeit steigen werden, und seine Anlageentscheidungen auf dieser Erwartung gründet.

Das Verhalten eines Haussiers unterscheidet sich grundlegend von einer pessimistischen Markteinschätzung. Ein Haussier kauft Aktien, Anleihen oder andere Wertpapiere in der Annahme, dass deren Wert zunehmen wird. Diese positive Grundeinstellung führt zu Kauforders und damit zu erhöhtem Nachfragedruck am Markt. Je mehr Haussiers aktiv sind, desto stärker kann dieser Effekt ausfallen – ein Phänomen, das häufig mit steigenden Kursen einhergeht.

Für Privatanleger ist die Unterscheidung zwischen Haussiers und pessimistischen Marktteilnehmern relevant, weil sie das eigene Handeln reflektieren hilft. Ein Anleger, der eine Aktie für 50 Euro kauft, weil er davon ausgeht, dass sie in zwei Jahren 70 Euro kostet, verhält sich wie ein Haussier. Seine Rechnung basiert auf der Annahme positiver Kursentwicklung. Sollte sich diese Erwartung erfüllen, realisiert der Anleger einen Gewinn von 20 Euro pro Anteil oder 40 Prozent. Umgekehrt trägt ein Haussier das volle Risiko, wenn der Kurs fällt statt zu steigen.

Haussiers spielen eine stabilisierende Rolle in Märkten: Ihr Kaufinteresse sorgt für Liquidität und verhindert, dass Kurse ohne Gegengewicht fallen. Allerdings können Haussiers auch zu Übertreibungen führen. Wenn zu viele Anleger gleichzeitig von steigenden Kursen ausgehen und massiv kaufen, entstehen oft Blasen – Phasen extremer Überbewertung, die früher oder später korrigiert werden.

Der gegensätzliche Typus ist der Bär oder Baissier, der mit fallenden Kursen rechnet und entsprechend verkauft oder short geht. Eine Hausse beschreibt eine längerfristige Aufwärtsbewegung eines Marktes oder Wertpapiers, während eine Baisse das Gegenteil kennzeichnet. Der Begriff Sentiment fasst die Gesamtstimmung aller Marktteilnehmer zusammen – ist das Sentiment haussierisch, überwiegen optimistische Erwartungen.

Privatanleger sollten beachten, dass die eigene Einstellung zum Markt unbewusst beeinflussen kann, welche Informationen man wahrnimmt und wie man sie bewertet. Ein überzeugter Haussier kann dazu neigen, positive Signale zu überschätzen und negative zu ignorieren. Daher empfiehlt sich eine regelmäßige Überprüfung der ursprünglichen Anlagelogik, unabhängig von der aktuellen Markteinschätzung.