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Börsenlexikon

GAAP (Generally Accepted Accounting Principles) ist ein in den USA verbindliches Regelwerk zur Bilanzierung und Rechnungslegung, das festlegt, wie Unternehmen ihre Finanzberichte aufstellen und ihre Gewinne berechnen müssen.

GAAP wird von der Financial Accounting Standards Board (FASB) entwickelt und ist die Grundlage für die Finanzberichterstattung börsennotierter Unternehmen in den Vereinigten Staaten. Anders als das international verbreitete IFRS-System (International Financial Reporting Standards) folgt GAAP eher einem regelgestützten Ansatz, der detaillierte Vorgaben für spezifische Bilanzierungssituationen macht.

Für Privatanleger ist GAAP relevant, weil viele große, international tätige Konzerne ihre Jahresabschlüsse parallel nach beiden Standards – GAAP und IFRS – veröffentlichen. Die beiden Systeme können zu unterschiedlichen Gewinnausweisen führen. Ein Unternehmen könnte beispielsweise nach GAAP einen Gewinn von 100 Millionen Dollar ausweisen, während die IFRS-Bilanz 95 Millionen Dollar zeigt. Diese Unterschiede entstehen durch abweichende Regeln bei der Bewertung von Lagerbeständen, der Abschreibung von Anlagevermögen oder der Behandlung von Rückstellungen.

Die Unterschiede sind nicht trivial: Sie beeinflussen direkt die Kennzahlen, die Anleger zur Bewertung heranziehen – etwa das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) oder die Eigenkapitalrendite. Wer ein amerikanisches Unternehmen analysiert, sollte daher überprüfen, nach welchem Standard die Zahlen berechnet wurden. Viele US-Konzerne stellen in ihren 10-K-Formularen (Jahresberichte für die US-Börsenaufsicht SEC) Abweichungstabellen bereit, die zeigen, wie die Ergebnisse unter GAAP und IFRS unterscheiden.

GAAP gilt als starrer und detaillierter als IFRS, was für Vergleichbarkeit sorgt, aber auch weniger Flexibilität bei der Darstellung komplexer Sachverhalte bietet. Umgekehrt erlaubt IFRS mehr Ermessensspielraum und wird von vielen Ländern außerhalb der USA angewendet.

Anleger, die in US-amerikanische Aktien investieren, werden regelmäßig mit GAAP-Zahlen konfrontiert. Ein grundlegendes Verständnis dafür, dass diese Zahlen nach spezifischen Regeln entstanden sind und sich von anderen Rechnungslegungsstandards unterscheiden können, hilft bei der kritischen Analyse von Unternehmensberichten. Verwandte Konzepte sind die Non-GAAP-Kennzahlen, die Unternehmen zusätzlich berichten (etwa bereinigte Gewinne), sowie die IFRS und die Bilanzierungsprinzipien, auf denen alle Rechnungslegungssysteme basieren.