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Börsenlexikon

Ein Entnahmeplan ist ein systematisches Verfahren, bei dem ein Anleger regelmäßig Geldbeträge aus seinem Depot entnimmt, um seinen Lebensunterhalt oder andere Ausgaben zu finanzieren, während das verbleibende Vermögen weiterhin am Kapitalmarkt angelegt bleibt.

Der Entnahmeplan wird häufig im Ruhestand oder bei längerfristigen Ausgabebedürfnissen eingesetzt. Der Anleger definiert vorab, welcher Betrag in welchen Zeitabständen (monatlich, quartalsweise oder jährlich) aus dem Portfolio entnommen wird. Die verbleibenden Positionen sollen durch Kursgewinne, Dividenden oder Zinsen das Depot stabilisieren und idealerweise das Kapital langfristig erhalten.

Die Attraktivität eines Entnahmeplans liegt darin, dass das Vermögen nicht vollständig aufgelöst wird, sondern weiterhin an der Wertentwicklung des Kapitalmarkts partizipiert. Dies ist besonders relevant bei langen Rentenhorizonten von 20 bis 30 Jahren oder mehr, da eine vollständige Auszahlung zu Beginn das Risiko birgt, dass die verbleibenden Ersparnisse schneller aufgebraucht sind als geplant.

Rechenbeispiel: Ein Anleger verfügt über ein Depot von 500.000 Euro. Er plant, 20 Jahre lang monatlich 2.500 Euro zu entnehmen. Das entspricht einer jährlichen Entnahmequote von 6 Prozent im ersten Jahr. Sofern das Depot im Durchschnitt um 4 Prozent pro Jahr wächst, reicht die jährliche Rendite von 20.000 Euro nicht aus, um die Entnahmen von 30.000 Euro zu decken. Der Anleger muss dann Positionen verkaufen oder das Kapital wird schrittweise aufgebraucht. Eine niedrigere Entnahmequote (etwa 3 bis 4 Prozent jährlich) erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das Vermögen über den gesamten Zeitraum hält.

Entnahmepläne können flexibel oder starr ausgestaltet sein. Starre Pläne entnehmen einen fixen Betrag unabhängig von Marktentwicklungen. Flexible Varianten passen die Entnahmen an die aktuelle Depotentwicklung an und reduzieren sie in Marktabschwüngen.

Der Entnahmeplan unterscheidet sich vom Auszahlplan, der oft bei Fondssparplänen rückwärts läuft, sowie von der Kapitalverzehrung, bei der das Vermögen bewusst aufgebraucht wird. Eng verwandt ist auch die Entnahmestrategie, ein übergeordneter Begriff für verschiedene Methoden der systematischen Vermögensnutzung. Die Dynamische Entnahme passt regelmäßig an die Inflation an, um die Kaufkraft der Auszahlungen zu erhalten.