Börsenlexikon
Ein Emissionskonsortium ist eine Gruppe von Banken und Finanzinstituten, die gemeinsam ein neues Wertpapier (Aktie, Anleihe oder ähnliches) am Markt platzieren und dabei Risiken und Provisionen untereinander aufteilen.
Funktionsweise
Wenn ein Unternehmen oder ein Staat Kapital durch ein Wertpapier aufnehmen möchte, beauftragt es typischerweise nicht nur eine einzelne Bank, sondern mehrere Institute, um die Emission zu stemmen. Diese bilden dann ein Konsortium. Innerhalb dieses Konsortiums gibt es eine klare Hierarchie: Die Konsortialführer (Lead Manager) übernehmen die Koordination und das größte Risiko. Daneben stehen Co-Manager mit mittlerem Engagement und Konsortialbanken, die kleinere Anteile zeichnen.
Die Arbeitsteilung funktioniert so: Der Emittent (beispielsweise ein Industriekonzern, der eine Unternehmensanleihe begeben will) verkauft sein Wertpapier nicht direkt an Anleger, sondern zunächst an das Konsortium. Dieses kauft die Papiere zu einem vereinbarten Kurs auf und verkauft sie dann weiter an institutionelle und private Investoren. Der Gewinn für die Banken ergibt sich aus der Spanne zwischen Ankaufs- und Verkaufskurs – diese wird unter den Konsortialbanken nach vorher festgelegten Quoten aufgeteilt.
Relevanz für Privatanleger
Für Privatanleger ist das Konsortium insofern relevant, als es die Marktplatzierung strukturiert und dadurch beeinflusst, wie einfach und zu welchen Konditionen ein neues Wertpapier erworben werden kann. Ein starkes, liquides Konsortium sorgt typischerweise für bessere Marktbedingungen und schnellere Platzierung. Umgekehrt können schwache Konsortien zu ungünstigen Bedingungen für den Emittenten führen – was sich mittelfristig auch auf die Rentabilität des Wertpapiers auswirken kann.
Privatanleger treffen auf Konsortien vor allem bei Neuemissionen: Wenn etwa eine Staatsanleihe oder eine Anleihe eines Großkonzerns neu am Markt kommt, wird dies über ein Emissionskonsortium organisiert. Die Banken des Konsortiums sind dann oft auch die ersten Ansprechpartner für Zeichnungsaufträge.
Das Emissionskonsortium unterscheidet sich vom Underwriting, wobei die Banken hier zusätzlich garantieren, dass die Emission vollständig platziert wird. Verwandte Begriffe sind das Konsortialkredit (bei Kreditvergabe) und die Zeichnung, die den Prozess des Kaufs durch die Konsortialbanken bezeichnet.

