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Börsenlexikon

Ein Common Gap ist eine Kurslücke, die entsteht, wenn ein Wertpapier nach einer Unterbrechung des Handels zu einem Kurs eröffnet, der deutlich über oder unter dem Schlusskurs des vorherigen Handelstags liegt, ohne dass sich dazwischen ein Kurs gebildet hat.

Common Gaps entstehen durch normale Marktbewegungen zwischen zwei Handelssitzungen. Sie unterscheiden sich von anderen Lückentypen dadurch, dass sie keine besondere fundamentale oder technische Bedeutung haben – sie sind schlicht das Ergebnis von Angebot und Nachfrage, die sich über Nacht oder über ein Wochenende verändert haben. Typische Auslöser sind Wirtschaftsdaten, die nach Börsenschluss veröffentlicht werden, Nachrichten aus anderen Zeitzonen oder einfach veränderte Marktstimmung.

Praktisches Beispiel: Eine Aktie schließt freitags bei 100 Euro. Am Montag öffnet die Börse und die Aktie startet bei 103 Euro. Zwischen 100 Euro und 103 Euro wurde kein Handel abgewickelt – das ist die Lücke. Ist die Lücke klein (etwa 1 bis 2 Prozent) und entstanden aus alltäglichen Marktbewegungen, handelt es sich um einen Common Gap.

Für Privatanleger ist das Verständnis von Common Gaps relevant, weil sie das Risiko von Slippage erhöhen. Wer eine Aktie freitags kaufen möchte und eine Limit-Order bei 100 Euro platziert, könnte montags nicht zum gewünschten Preis ausgeführt werden, wenn die Aktie bei 103 Euro eröffnet. Ebenso können Positionen über das Wochenende oder über Feiertage zu unerwartet anderen Preisen eröffnet werden als erwartet.

Common Gaps füllen sich oft innerhalb weniger Tage wieder – das heißt, der Kurs bewegt sich zurück in die Lücke. Dies ist aber kein Naturgesetz, sondern nur eine statistische Häufigkeit. Anleger sollten Common Gaps nicht als automatische Handelssignale interpretieren.

Verwandte Begriffe sind der Breakaway Gap, eine Lücke, die einen Trendwechsel signalisiert und sich typischerweise nicht schließt, der Runaway Gap (auch Measuring Gap), der während eines bestehenden Trends auftritt und die Trendstärke anzeigt, sowie der Exhaustion Gap, der am Ende eines Trends entsteht und oft kurz darauf wieder gefüllt wird. Technische Analysten nutzen diese Unterscheidungen, um Marktbewegungen zu interpretieren, auch wenn ihre Vorhersagekraft umstritten ist.