Börsenlexikon
Ein Chartist ist ein Anleger oder Analyst, der Kauf- und Verkaufsentscheidungen primär auf der Basis von Kursbewegungen und grafischen Mustern in Preisdiagrammen trifft, statt fundamentale Daten wie Gewinne oder Bilanzen zu analysieren.
Chartisten arbeiten mit der Annahme, dass sich historische Kursmuster wiederholen und dass Preisbewegungen Trends folgen, die sich in Diagrammen erkennen lassen. Sie untersuchen Linien-, Kerzen- oder Balkencharts, um wiederkehrende Formationen wie Dreiecke, Schulter-Kopf-Schulter-Muster oder Flaggen zu identifizieren. Diese Muster sollen Hinweise auf zukünftige Kursbewegungen geben.
Die praktische Anwendung funktioniert beispielsweise so: Ein Chartist beobachtet, dass eine Aktie über mehrere Wochen hinweg zwischen 50 und 60 Euro pendelt, ohne diese Grenzen zu durchbrechen. Durchbricht der Kurs die obere Grenze von 60 Euro mit erhöhtem Handelsvolumen, interpretiert der Chartist dies als Kaufsignal und erwartet einen weiteren Kursanstieg. Umgekehrt kann ein Bruch nach unten als Verkaufssignal gelten.
Für Privatanleger ist das Chartismus-Konzept relevant, weil es eine Alternative zur Fundamentalanalyse darstellt und schnellere Handelsentscheidungen ermöglicht. Allerdings basiert die Methode auf der Annahme, dass Marktpsychologie und Handelsvolumen die Kurse treiben – nicht auf inneren Werten. Das macht sie umstritten: Kritiker argumentieren, dass vergangene Kursmuster keine zuverlässige Vorhersagekraft für zukünftige Bewegungen haben.
Chartisten nutzen oft auch technische Indikatoren wie gleitende Durchschnitte, Relative-Stärke-Index oder MACD, um ihre Analysen zu unterstützen. Diese Indikatoren berechnen sich mathematisch aus historischen Preisen und Volumen und sollen Überverkauft- oder Überverkauftheit signalisieren.
Der Ansatz unterscheidet sich grundlegend von der Fundamentalanalyse, bei der Investoren Jahresberichte, Gewinnprognosen und Branchentrends bewerten. Während Fundamentalisten nach unterbewerteten Unternehmen suchen, interessiert den Chartisten der innere Wert nicht – nur die Kursdynamik zählt. Manche Anleger kombinieren beide Methoden, um Einstiegspunkte mit Fundamentalanalyse zu finden und dann Chartmuster zur Timing-Optimierung zu nutzen. Die Charttechnik wird auch als Technische Analyse bezeichnet und ist eng verwandt mit dem Momentum-Ansatz, der Trendfolge-Strategien verfolgt.

